Alles zum Thema Probiotika, Schleimhaut, Sinus und Plaque in der Zahnmedizin

Am 16. Mai 2022 fand in Olten das «2. Diagnostik & Prävention Symposium» unter der Leitung von Prof. Dr. Michael Bornstein (UZB Basel) und Prof. Dr. Patrick R. Schmidlin (Universität Zürich) statt. Der Kurs, der online und live abgehalten wurde, befasste sich mit dem modernen Biofilm-Management und nahm besonders den klinischen Einsatz von Prä- und Probiotika unter die Lupe. Der Kurs war mit über 150 Interessierten sehr gut besucht.

Probiotika bei der Fortbildung in Olten

Prof. Dr. Michael Bornstein von der Universität Basel. Text und Fotos: Monika Lang

Zum Thema passend konnte Prof. Wim Teughels von der Universität Leuven in Belgien als renommierter internationaler Referent gewonnen werden. Er gehört zu den weltweit führenden Experten auf dem Gebiet und berichtete in seinem wissenschaftlich sehr fundierten, spannenden und humorvollen Vortrag über die Einsatzmöglichkeiten von Probiotika in der Parodontologie, aber auch in der Kariologie. Dabei wurde dem Zuhörer auf eindrückliche Weise das grosse Potential deutlich, welches hinter dieser einfachen, aber dennoch effizienten Zusatzmassnahme steckt, vorausgesetzt man verschreibt die geeigneten Präparate richtig und konsequent.
Dabei verriet der Referent auch einige Tricks aus seiner täglichen Praxis. Prof. Teughels illustrierte und untermauerte seine klinischen Erfolge anhand unterschiedlicher Fälle und zeigte, dass der Zusatznutzen des adjuvanten Einsatzes von Probiotika in den meisten Fällen, die auf der Literatur basierenden Resultate teils gar deutlich übertrifft.

Die Schleimhautdiagnostik
Prof. Dr. Michael Bornstein fokussierte in seinen spannenden und ausgezeichnet illustrierten Referaten auf klinisch relevante Aspekte der Schleimhaut- und radiologischen Sinus-Diagnostik.
Das Erkennen von Schleimhautveränderungen an sich stellt per se eine der wichtigsten Grundaufgaben in der zahnärztlichen Praxis dar und sollte konsequent und routinemässig durchgeführt werden. Dies wird vor allem im Kontext eines immer älter werdenden Patientenkollektivs unter Berücksichtigung einer Polypharmazie und der Multimorbidität immer wichtiger. Die korrekte Taktik bei Verdachtsfällen – unter anderem mit Biopsien – wurde hervorgehoben und die Teilnehmer diesbezüglich sensibilisiert. Auch wurden Tipps gegeben, wann oralmedizinische Risikopatienten an eine spezialisierte Sprechstunde überwiesen werden sollten.

Die Untersuchung des Sinus
In seinem zweiten Referat ging Prof. Bornstein auf den Sinus ein. In der Praxis geht diese Struktur leider oft vergessen, ist aber mehr als «heisse Luft», bleibt aber dennoch für den Zahnarzt oft bloss eine Art «Black Box», die allerdings deutlich mehr Beachtung verdient. Auch hier können ungeahnte Pathologien schlummern, die gerade im Zusammenhang mit der radiologischen Routine-Untersuchungen bei Implantaten oder Weisheitszähnen besonders berücksichtigt und befundet werden müssen. Hier hat besonders die digitale Volumentomographie neue diagnostische Möglichkeiten eröffnet.

Die Plaquekontrolle
Der zweite Gastgeber, Prof. Dr. Patrick R. Schmidlin beleuchtete die Basics der mechanischen und chemischen Plaquekontrolle und unterstrich, wie wichtig diesbezügliche Konzepte und Herangehensweisen sind. Zwar wird der Biofilm in seiner Gesamtheit – auch die guten Bakterien – angegangen, doch diese unspezifische Herangehensweise führt bei entzündlichen Zahn- und Implantatbetterkrankungen immer noch am voraussagbarsten zum klinischen Erfolg, sofern die Mundhygiene in der Praxis und zu Hause adäquat durchgeführt werden. Gerade Implantate stellen dabei aber eine besondere Herausforderung für die individuelle und professionelle Reinigung dar und es sind besondere Massnahmen und Instrumente erforderlich.
Fazit: Plaque ist ein wichtiger ätiologischer Faktor bei der Entstehung, Progredienz und Behandlung entzündlicher parodontaler und periimplantärer Erkrankungen und essenziell sind die drei «Ps» als Erfolgskriterien, d. h. Putzen-Putzen-Putzen. Die dabei angewendeten Massnahmen sollten professionell, pragmatisch und partizipativ ausgerichtet sein. Adjuvante Therapieformen wie Antiseptika, Antibiotika und/oder Probiotika sind ebenfalls sinnvoll, sollten aber fallspezifisch und gezielt eingesetzt werden.

Der nächste Termin steht bereits fest
Am Ende fühlte Prof. Schmidlin seinem Kollegen noch mit zwei spannenden Falldiskussionen auf den Zahn und allzu schnell war der hochkarätige Event wieder vorbei. Die gute Nachricht: Der nächste Kurs ist bereits geplant. Das dritte Oltner Diagnostik- und Präventions-Symposium wird sich dem spannenden Thema der personalisierten Zahnmedizin widmen und ist für Freitag, 9. Juni 2023 geplant (wieder von 15:00-19:45 Uhr).
Man darf bereits jetzt gespannt sein, was die Zukunft in diesem Bereich bringen wird. Es bleibt spannend in der Zahnmedizin und für Kontroversen ist gesorgt.

Text und Bilder: Monika Lang

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