Die ZZS zu Besuch im ZZM Zentrum für Zahnmedizin der Universität Zürich

Für unsere "Tour de Suisse" war Marion Gredig zu Besuch im ZZM Zentrum für Zahnmedizin der Universität Zürich. Sie war zum Interview mit Dr. Alexis Ioannidis und ZT Andrea Patrizi verabredet, um die beiden in ihrem Uni-Alltag zu begleiten. In ihrer Reportage berichtet sie über ihre Eindrücke. In der nächsten Folge besucht sie die CUMD in Genf.

 

Alma Mater: Universität Zürich

Die ZZS zu Besuch im ZZM Zentrum für Zahnmedizin der Universität Zürich bei Dr. Alexis Ioannidis und ZT Andrea Patrizi. Fotos: Marion Gredig


Ein paar Minuten zu früh komme ich an der Plattenstrasse an und gebe Alexis Ioannidis Bescheid, dass ich da bin. Dieser versichert, er komme gleich, er ist noch in der Wäscherei. Zur Begrüssung erklärt er dann gleich, das mit dem Wäscheholen in der Wäscherei sei ein gut strukturiertes Prozedere. Jeder Mitarbeitende darf nur eine bestimmte Anzahl an Shirts und Hosen fassen. Alles wird genau festgehalten. Und so sind wir schon mitten im Uni-Alltag. Denn hier geht es um das Erfassen von Daten bei neuen Studien, das Analysieren von Fakten aber natürlich auch um ganz traditionelle oder eben zeitgemässe respektive fortschrittliche Zahnmedizin.

Und Action – die Einprobe in der Kieferorthopädie
Kaum haben wir die Hände desinfiziert, läutet das Telefon von Oberarzt Ioannidis. Die Einprobe eines interdisziplinären, komplexen Patientenfalles steht an. Wir gehen dafür in die Kieferorthopädie zu Prof. Dr. Theodore Eliades. Eliades ist Direktor Forschung des ZZM. Auf Griechisch begrüssen sich die Fachzahnärzte herzlich, dann widmen sie sich dem Patienten.
Eliades und Ioannidis kontrollieren den Fortschritt der bisherigen kieferorthopädischen Behandlung, schauen ob die Bedingungen schon optimal sind für das weitere prothetische Vorgehen. Das interdisziplinäre Arbeiten an der Universität wird vom Patienten geschätzt, so muss er die Fachärzte nicht einzeln aufsuchen und spart sich Termine. Aber da sich die Behandlung wegen dem COVID-Jahr in die Länge gezogen hat, ist der Patient etwas ungeduldig und sehr gespannt darauf zu erfahren, ob er auf der Zielgeraden ist mit seinen neuen Zähnen.
Und Ioannidis und Eliades geben grünes Licht, nach mehreren Monaten ist dieser Patient bereit für die geplanten Veneers. Darüber freut er sich riesig.


Arbeiten erfolgreich Hand in Hand: Dr. Alexis Ioannidis und ZT Andrea Patrizi.

Keramikpinsel und Seesicht im Zahntechnischen Labor
Wir verlassen die Abteilung Kieferorthopädie und machen uns auf den Weg zum Zahntechnischen Labor der Klinik für Rekonstruktive Zahnmedizin. Unterwegs erklärt mir Ioannidis die drei Säulen der Universität: Lehre, Forschung und Klinik. Forschung macht etwa 20 % des Arbeitsalltages aus. Für den administrativen Ablauf der Studien ist an der Klinik für Rekonstruktive Zahnmedizin ein eigenes Büro zuständig. Jede Studie, jede Patientenakte ist in einem Archiv abgelegt.
Unterdessen sind wir im 6. Stock beim Zahntechnischen Labor angelangt – dem Reich von ZT Andrea Patrizi, der hier seit fünf Jahren als Techniker arbeitet. Auch hier ist die Stimmung fröhlich. Zur Begrüssung wird mir ein feiner Espresso serviert. Patrizi, der in Italien aufgewachsen ist, hat bereits mit 13 Jahren mit der Zahntechnik angefangen. Er zeigt mir seinen Arbeitsplatz und erklärt, dass es eigentlich drei Labors sind. In einem wird geschichtet, in einem gescannt, gefräst und gedruckt und im dritten findet alles andere Zahntechnische statt.

Wenn möglich: digital! Der Workflow am ZZM
«Es ist ein Glück, dass wir hier am ZZM Sinteröfen und Fräsmaschinen haben. So können wir z.B. monolithische Rekonstruktionen aus Zirkonoxid, welche den Grossteil unserer Arbeit ausmachen, von A-Z selbst herstellen», freut sich Patrizi. Diese monolithischen Zirkonoxidarbeiten werden mit Mikrolayering überschichtet, um so neben der Stabilität auch Ästhetik zu erreichen. Monolithische Arbeiten sind gross im Trend an der Universität Zürich. Ein Technikerkollege versucht sich sogar gerade an einem Frontzahn damit, sagt Patrizi. Andrea Patrizi selbst ist sehr computeraffin, die meiste Arbeitszeit verbringt er am Bildschirm. Seit 3,5 Jahren ist der prothetische Workflow an der Plattenstrasse praktisch nur noch digital. Der Anteil wird auf 90 % Prozent geschätzt. Natürlich wird am Studentenkurs das klassische Abformen gelehrt. Aber der Löffel hat hier mehrheitlich dem Intraoralscanner Platz gemacht. An der Universität Zürich ist man sich einig: Die Zahnmedizin wird immer digitaler.

 


Das Modell gedruckt, das Gerüst gefräst – die Arbeiten im Labor.

(Zukunfts)-Prognose des Prothetikers
«Ich denke, künftig werden wir weniger am Patienten arbeiten, da die Prävention in der Schweiz sehr gut ist. Auch wird es weniger Standard-Anwendungen und mehr individuellere Lösungen geben. In der rekonstruktiven Zahnmedizin kam man zum Beispiel davon weg, jede grössere Füllung durch eine Krone zu ersetzen. Parallel dazu erlauben uns die neuen Materialien, alte Dogmen zu überdenken», sagt Alexis Ioannidis und erklärt weiter, dass u. a. die Adhäsivtechniken die Zahnmedizin auf den Kopf gestellt haben. Vor 15 Jahren wurde noch gelehrt, wie eine Schulter oder Stufe perfekt präpariert wird. Heute sei man an einem anderen Punkt und arbeite in der Rekonstruktiven Zahnmedizin und natürlich auch in anderen Fachgebieten viel defektorientierter und patientenspezifischer.

Euphorie am Studentenkurs – es ist der letzte Tag!
Was aktuell gelehrt wird erfahren wir gleich, das Telefon von Ioannidis läutet nämlich schon wieder: Jetzt geht’s zum Studentenkurs. Dort ist heute der letzte Semestertag. Nach der Zeit an den Dummies und Phantomen kommen die Zahnmedizin Studierenden im vierten und fünften Studienjahr zum klinischen Arbeiten auch zu Ioannidis zum Kurs. Er hat mir bereits erzählt, dass am Abschlusstag immer eine besondere Stimmung herrscht und Viele euphorisch sind. Als wir den Raum betreten und der 39-jährige Oberarzt Ioannidis mit grossem Applaus empfangen wird, ist sofort klar, was er damit meinte.
Überschwänglich bedanken sich die Studenten beim Oberarzt für die gemeinsame Zeit, das Beigebrachte und Erlernte. Ein Geschenkkorb wird überreicht und Ioannidis zeigt sich gerührt. Schliesslich hat man ja auch viel Zeit miteinander verbracht. Und jetzt fängt für die 40-50 jungen Zahnärztinnen und Zahnärzte ein neuer Abschnitt an. Die meisten gehen in eine Privatpraxis.

Zahnarzt – ein Frauenberuf?
Dem stimmt auch im Vorbeigehen Assistenzzahnärztin aus dem Studienkurs, Sofia Lamperti, zu und meint: «Das Studium ist hart. Die Facharzt-Ausbildung ebenfalls. In der Zahnmedizin sind die Tiefs besonders tief, aber die Hochs dafür auch umso höher. Der Druck und das Vergleichen mit anderen ist intensiv. Aber das bringt einen auch weiter.»
Zahnmedizin war schon immer ein attraktives Studium für Frauen. Auch heute sind mehr als die Hälfte der Absolventinnen weiblich. Auch Ioannidis’ Mutter war Zahnärztin, es scheint also im Blut zu liegen. Es sei aber nicht so gewesen, dass er seiner Mutter bei der Arbeit zugeschaut und deshalb auch diesen Beruf gewählt habe. Das sei vielmehr einfach so entstanden. Lange hat Teamplayer Ioannidis auch mit der Idee gespielt, die Hotelfachschule zu absolvieren. Der Hospitality Gedanke fasziniert ihn: «Es gibt durchaus Parallelen zwischen einem Besuch in einer Praxis und dem Besuch in einem Hotel. Die gute Qualität sollte heute vorausgesetzt werden können. Dann geht es weiter darum, dass der Dienstleistungsgedanke hochgeschrieben wird und sich die Patientinnen und Patienten, bzw. die Gäste, willkommen fühlen. Das versuchen wir am Zentrum für Zahnmedizin so auch für unsere Patienten zu leben.»
Das Patientenwohl wird also grossgeschrieben. Davon kann ich mich gleich selbst überzeugen, denn Dr. Ioannidis wird zu einer weiteren Einprobe gerufen.

Ring, Ring – die nächste Einprobe ruft
Hier wurde die ganze Front neu gemacht. Die Rekonstruktion besteht aus Lithiumdisilikat, Zirkon-
oxid aber auch Feldspatkeramik. Der Behandler ist zufrieden und begutachtet sein Resultat von allen Seiten. Auch mein Interviewpartner schaut genau hin, gibt noch einzelne Inputs und fragt die Patientin, wie es ihr denn gefalle. Der Blick in den Spiegel und das Daumenhoch sagen alles.Okay also fürs Finish für diese Arbeit. Und auch ich muss langsam wieder auf den Zug. Die Zeit am Zentrum für Zahnmedizin der Universität Zürich verging wie im Flug. Mir wurde bewusst, dass die Arbeit an der Uni geprägt ist von Freude aber auch Emsigkeit. Und ich staune, wieviel Energie ein Oberarzt hat und braucht. «Da weiss man aber am Abend, was man getan hat», frage ich Alexis Ioannidis mit einem Zwinkern zum Schluss. Er lacht laut auf und meint: «Ja, also ich kann gut schlafen.»
Wir verabschieden uns. Ich mache mich auf den Heimweg und höre bereits im Gehen, wie das Telefon von Ioannidis wieder klingelt…

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Kontakt:
Marion Gredig
Schulstrasse 6
CH-5706 Boniswil
marion.gredig@labor-gredig.ch

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