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Erfolgreicher 1. DENTAL INNOVATION CONGRESS in Lugano

Am 23. August fand im wunderschönen Lugano der erste DENTAL INNOVATION CONGRESS statt. Die wissenschaftlichen Leiter Prof. Dr. Thomas Attin, PD Dr. Goran Benic und Prof. Dr. Adrian Lussi hatten gemeinsam mit dem Veranstalter, dem in Lugano ansässigen Diamantinstrumente-Hersteller Intensiv SA, einen eintägigen Kongress mit Top-Referenten organisiert. Beachtliche 150 Teilnehmer kamen nach Lugano, um sich davon zu überzeugen, wie eng die «konservierende Zahnmedizin» und die «Prothetik» miteinander verknüpft sind.

 

Blick auf Lugano

Wunderschönes Lugano Foto: Carmen Bornfleth


Die Begrüssung im Palazzo dei Congressi am Luganer See übernahm PD Dr. Goran Benic auf italienisch. Und das war auch schon eine der erwähnenswerten Besonderheiten des Kongresses, alle Referate waren in drei Sprachen simultan verfügbar – italienisch, deutsch und französisch. So konnte jeder seine bevorzugte Sprache wählen. Denn der Teilnehmerkreis setzte sich aus Schweizern, Italienern und Deutschen zusammen – selbstverständlich waren sehr viele direkt aus dem Tessin dabei.
Prof. Dr. Thomas Attin
dankte der Firma Intensiv für den wunderbar organisierten Kongress. Für den Tagesablauf wünschte er sich, dass es gelingt die Annäherung von Prothetik und konservierender Zahnheilkunde zu verdeutlichen – dies aus den Blickwinkeln der renommierten Referenten aus verschiedenen Ländern, Universitäten sowie aus Klinik und Praxis.
Auf schwizzerdütsch folgte die Begrüssung durch Prof. Dr. Adrian Lussi: «Alle Referenten sind für den Austausch ganztägig  vor Ort anwesend. Das ist nicht nur für Sie als Teilnehmer schön, sondern auch für die Universitäten ist der Austausch mit Ihnen als Praktiker sehr wichtig. Wir alle freuen uns während der Pausen Fragen zu diskutieren. Nur so kommen wir gemeinsam weiter.»

Blick ins Plenum

Keramikrestaurationen
Das erste Referat übernahm PD Dr. Goran Benic (Lugano). Er sprach über minimalinvasive keramische Restaurationen und stellte ein innovatives klinisches Konzept vor. Traditionelle Restaurationen waren aus heutiger Sicht viel zu invasiv! Stellt sich die Frage, ob es notwendig ist viel gesunde Zahnhartsubstanz aufzugeben? Denn heute sind die Keramiken so weiterentwickelt, dass ein minimalinvasiveres Arbeiten möglich ist.
Fortschritte in Materialtechnologie, Zahntechnik und adhäsiver Technologie ermöglichen es, die Prinzipien der konventionellen fixen Prothetik zu umgehen und uns über alte Dogmen hinwegzusetzen. Oberstes Ziel muss es sein, möglichst viel Zahnhartsubstanz zu erhalten – wo immer möglich sollte dies minimalinvasiv erfolgen oder ganz ohne Präparation. Lithium-Disilikat verstärkte Glaskeramik sorgt für höchste Stabilität, die beste Ästhetik erreicht man hingegen mit Feldspatkeramik. Eine prothetische Diagnostik ist notwendig für die individualisierte Behandlung mit prothetisch orientierter Zahnpräparation.

Dr. Goran Benic

Kompositrestaurationen
Prof. Dr. Thomas Attin (Zürich) befasste sich mit den vielfältigen Einsatzmöglichkeiten von direkten Restaurationen mit der innovativen Adhäsivtechnik. Es gibt verschiedene Herangehensweisen, um eine Situation in der Zahnmedizin zu lösen, und es gibt viel evidenzbasierte Argumente. Somit gibt es nicht die eine richtige Vorgehensweise. Anhand verschiedener Patientenfällen zeigte Attin, was mit Kompositen heute alles möglich ist. Egal, ob Keramik oder Komposit – beides funktioniert, aber es muss dem Patienten kommuniziert werden, dass langfristig etwas passieren kann. Man kann aber Vertrauen haben in direkte Techniken und Materialien. Es gibt inzwischen gute Materialien mit hoher Festigkeit. Starker Zahnhartsubstanzverlust gilt als Herausforderung. Es gibt aber inzwischen Lösungen in der Trockenlegung und zur Wiederherstellung der Zahnmorphologie. «Wir haben den Punkt erreicht, wo wir uns schulen und der Sache öffnen müssen. Wir sind heute auf einem sehr hohen Niveau, aber die Hingabe des Einzelnen steht sicher über die Frage nach dem richtigen Material», so Attin.

Prof. Dr. Thomas Attin

Seitenzahnrestaurationen
Nach der ersten Kaffeepause gehörte die Bühne dem italienischen Referenten Dr. Roberto Spreafico, der eine jahrzehntelange Erfahrung mit Kompositen hat. Er stellte sein klinisches Konzept für direkte und indirekte Seitenzahnrestraurationen unter Berücksichtigung ästhetischer Gesichtspunkte vor. Da heute noch keiner sagen kann, ob Komposite oder Glaskeramik besser sind, da wissenschaftliche Belege fehlen, stützt sich Spreafico auf seine eigene Erfahrung. Anhang zahlreicher beeindruckender Patientenfälle stellte er eine von ihm entwickelte Technik vor, die über Jahre hinweg funktioniert und perfekte Ergebnisse liefert. Er gab den Tipp, immer die weniger invasivere Behandlung zu bevorzugen. Für kleine und mittlere Kavitätengrössen empfiehlt er direkte Restaurationen. Wenn jedoch ein oder mehrere Höcker fehlen, ist eine indirekte Restauration indiziert.

Parodontologie
Als nächstes ging es weg von Materialien hin zum Parodont. Prof. Dr. Nicola Zitzmann (Basel) sprach über ästhetische Rekonstruktionen nach parodontaler Therapie. Die Ausgangslage nach parodontaler Therapie stellt sich oft mit Rezessionen dar in Form von langen klinischen Kronen, freiliegenden (empfindlichen) Zahnhälsen oder sichtbaren Kronenrändern. Zitzmann empfiehlt eine ausführliche parodontale Reevaluation und Diagnostik vor rekonstruktiver Therapie, um gesunde Verhältnisse zu schaffen. Gesunde Pfeiler (mit reduziertem Attachment) haben eine gute Prognose. Es ist darauf zu achten, die biologische Breite nicht zu verletzen. Bei festsitzender und abnehmbarer Rekonstruktion sind zahnärztlich-zahntechnische Möglichkeiten zu nutzen inklusive der rosa Keramik. Die unterstützende PA-Therapie ist in jedem Fall sicherzustellen. Der Recallintervall wird anhand der Situation individuell festgelegt.

Frontzahnästhetik
Nach der Mittagspause sprach der erfahrene Konservist Prof. Bernd Klaiber aus Würzburg. Einleitend stellte er das kleine 1x1 der Ästhetik vor. Danach ist zu achten auf: bindende Kräfte, Symmetrie, Proportionen, Dunkelräume und Dominanz. Bei der Betrachtung zahlreicher Bilder von Frontzähnen konnte er zeigen, dass unsichtbare Linien vorhanden sind. Diese sind teils schwer zu erkennen, da sie nicht offensichtlich sind. So ist die Schattenbildung zwischen den Zähnen wichtig. Auch die Symmetrie mit kleinen Variationen kann schöne Effekte bringen. Die Längen-Breiten-Proportion muss passen, genauso wie die Richtung der Zähne nach Kompositrestauration. Um Zähne zu verschmälern gibt es verschiedene Möglichkeiten. Konturierung macht Zähne optisch schmäler, obwohl die Breite gleich ist. Und nach dem Kürzen sind interinzisale Dreiecke einzuschleifen! Klaiber konnte anhand vieler Patientenfälle zeigen, dass die Längen-Breitenwirkung in Abhängigkeit vom Kantenwinkel zwar eine Kleinigkeit ist – aber sehr wirkungsvoll. Zur Theorie gab es dann noch einen wichtigen Praxistipp. Denn für eine kontrollierte Füllbarkeit ist die Matrize das wichtigste Hilfsmittel, um Überschüsse zu verhindern. Man muss die Matrize richtig in der Hand halten. Klaiber selbst bevorzugt die Drei-Finger-Technik, da man die Matrize so nicht verlieren kann und sie keinen Knick bekommt. Mit vielen schönen Patientenfällen zeigte der Referent in seiner amüsanten Präsentation, dass es nicht immer die grosse Lösung sein muss, sondern Komposite durchaus die Lösung sein können.

Digitaler Workflow
Ob in der Zahnmedizin der Zukunft alles digital sein wird oder ob es noch Grenzen gibt, zu dieser Fragestellung hätte kein erfahreneres Team auf der Bühne stehen können: Prof. Dr. Irena Sailer und ZTM Vincent Fehmer (Genf) setzten sich intensiv mit der Thematik auseinander. Da die Digitalisierung in der Zahnheilkunde derzeit ein sehr wichtiges Thema ist, ist an der Universität Genf aktuell ein neuer Studiengang dazu in Vorbereitung, der im Februar starten wird. In diesem Zusammenhang stellt sich immer wieder die Frage, ob der Zahntechniker durch die Digitalisierung wegrationalisiert wird. «Wir denken, das Gegenteil ist der Fall. Wir brauchen vielmehr super Zahntechniker», so Prof. Sailer.
Durch digitale Diagnostik und gedruckte Mock-ups können Patienten entscheiden, welche Versorgung ihnen steht. Das Behandlungsziel wird so gemeinsam definiert. Es macht definitiv Sinn mehr Zeit in Diagnostik und Kommunikation zu investieren. Ein digitaler Workflow und neue Materialien können dazu beitragen, die Lebensraten des Zahnersatzes zu steigern und Chippings zu reduzieren. Auch die Zahl der Behandlungssitzungen kann reduziert werden – und somit auch die Kosten für den Patienten.
Die Referenten gaben einen Einblick in eine eigene aktuelle Studie. Es geht um die Frage, welcher Zement sich am besten eignet, um transluzente Keramik auf einer Titanklebebasis zu befestigen. Eine andere Studie befasst sich mit dem Sandstrahlen. Als optimale Vorbereitung für das Bonding wird zum Sandstrahlen mit einer Körnchengrösse von 50 µm Al2O3 geraten.

Kariestherapie
«Wie geht Kariesdiagnostik und wieviel Karies muss überhaupt entfernt werden?» – so lautete das Thema des letzten Referates. Prof. Dr. Adrian Lussi (Bern) sprach dazu aus seinem jahrzehntelangen Erfahrungsschatz. Zeichen für eine aktive Kronenkaries sind u.a. eine matte Oberfläche, offene, weiche Läsion, eine Bedeckung mit Plaque sowie approximal ein Bluten auf Sondieren, bei gesunden parodontalen Verhältnissen. Aktive Wurzelkaries zeigt sich durch eine weiche oder lederne Oberfläche und befindet sich oft in der Nähe der marginalen Gingiva. Kariesdiagnostik ist nicht einfach! Auch wenn immer neue Methoden und Geräte auf den Markt kommen, können diese zwar unterstützen, die klinische Beurteilung durch eine Fachperson ersetzen sie jedoch nicht. Scharfe Augen sind in jedem Fall besser als scharfe Instrumente. Zuerst sollte die nasse Oberfläche inspiziert werden und erst danach die trockene. Eine Kariesverlaufskontrolle – im Vergleich mit alten Daten – ist wichtig. Das Röntgenintervall hängt vom Kariesrisiko ab. Wenn der Patient über keine Schmerzen klagt, kann man Karies auch belassen. Voraussetzung ist jedoch ein dauerhaft dichter Verschluss mit einwandfreier Trockenlegung.

Prof. Dr. Adrian Lussi

Fazit
Man kann den Veranstaltern dazu gratulieren, dass die Plattform, auf der innovative Ideen und Fortschritte in der restaurativen Zahnheilkunde präsentiert und diskutiert wurden, gleich bei der Auftaktveranstaltung soviel Zuspruch fand. Eine tolle Fortbildung, die bewiesen hat, dass im Schweizer Veranstaltungskalender immer noch Platz ist für neue Angebote.

Ausblick
Wer den DENTAL INNOVATION CONGRESS verpasst hat, kann sich den 23./24. Oktober 2020 notieren, dann folgt die Fortsetzung. Alle, die schon in diesem Jahr dabei waren, haben den Termin vermutlich längst vorgemerkt.

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Das Team der Intensiv SA

 

Gleich vormerken:
Der nächste DENTAL INNOVATION CONGRESS findet am 23./24. Oktober 2020 in Lugano statt.

 

 

Weitere Bilder zum Kongress gibt es hier: Opens external link in new windowBildergalerie DENTAL INNOVATION CONGRESS

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