Erfolgreicher 2. DENTAL INNOVATION CONGRESS an der Università della Svizzera italiana

Bis zuletzt war es fraglich, ob die aktuelle Corona-Entwicklung es zulässt, den seit vielen Monaten vorbereiteten 2. DENTAL INNOVATION CONGRESS in Lugano in geplanter Form zu veranstalten. Doch ein exzellentes Hygienekonzept ermöglichte die Durchführung an der Università della Svizzera italiana (USI) in Lugano. Hervorragend kam auch das Live-Streaming an, das den restlichen Teilnehmern eine Kongressteilnahme via Zoom ermöglichte.

Referenten von DIC 2020

Von 12 Referenten waren 10 live vor Ort – im Bild zusammen mit der wissenschaftlichen Leitung und der Kongressorganisation von der Intensiv. Fotos: Intensiv


In der gefüllten Aula Magna konnten die zahlreichen Teilnehmer den Kongress zum Thema «Defektorientierte Versorgung – innovativ und nachhaltig» live vor Ort verfolgen. Über 100 weitere Teilnehmer aus der Schweiz sowie Italien und Deutschland waren an beiden Tagen online dabei. Und es hat sich gelohnt, denn die wissenschaftlichen Leiter Prof. Thomas Attin (Zürich), Prof. em. Adrian Lussi (Bern) und Prof. Frauke Müller (Genf) hatten ein breitgefächertes und fundiertes Programm zusammengestellt.
 


Günter Smailus (links) mit Prof. Thomas Attin und Prof. Adrian Lussi (rechts).


Bei ihrer kurzen Begrüssung zeigten sie sich hochmotiviert, ob der Teilnehmerzahl und den Schutzmassnahmen vor Ort – verbunden mit dem Dank an die Universität und den in Lugano ansässigen Diamantinstrumente-Hersteller Intensiv SA. In einem an alle Teilnehmer verteilten Pandemie-Kit befanden sich neben den Kongress-Informationen auch eine Schutzmaske und Desinfektionsmittel. Zum IHygienekonzept gehörte zudem eine Aufteilung der Teilnehmer in verschiedene Gruppen, um die Mensa und die Ausstellung zeitversetzt zu besuchen.

Die mit ihrer Praxis in Lugano ansässigen Dres. Ulrike und Marco Ponti hiessen die Teilnehmer an der USI herzlich willkommen und bezeichneten es als eine Ehre, solch einen Kongress in der Stadt zu haben, zu dem sie nicht nur Gäste aus dem Tessin sondern auch der französischen und deutschen Schweiz sowie aus Italien und Deutschland begrüssen konnten.
Prof. Lussi erinnerte an die Bilanz des ersten DENTAL INNOVATION CONGRESS im August 2019. Die damals hochgelobte familiäre Atmosphäre und die tollen Referenten galten als Zielvorgabe für dieses Jahr, um so gezielt den Austausch zwischen Referenten und Teilnehmern zu fördern.

Adhäsivtechnik und Endo
Prof. Lorenzo Breschi von der Universität Bologna war der erste Referent des Tages. Als einer der ganz Grossen im Bereich «Adhäsivtechnik» fokussierte er in seinem Vortrag neben dem Blick in die Wissenschaft auf viele Tipps für die Praxis zum Thema «Sichere Adhäsivtechnik und Zementverfahren».
Der schablonengeführten Technik der Wurzelkanalbehandlung widmete sich Prof. Dr. Roland Weiger (Universität Basel). Prof. Attin bestätigte abschliessend, dass dieser mit seinem Referat «Wurzelkanalbehandlung minimal-invasiv – mit Mikroskop oder virtuell und «Guided Endo», das Thema des Kongresses voll und ganz erfasst habe – ein innovatives Thema und ein innovativer Vortrag, der den echten Nutzen für den Patienten sehr schön herausstellte.

Vier parallele Seminare
Am Freitagnachmittag wurden vertiefende, dreistündige Seminare angeboten, die in der jeweiligen Sprache des Referenten gehalten wurden. Die Teilnehmer konnten sich für die Themen Adhäsiv-Techniken, Endodontologie, Frontzahnfüllungen und approximale Schmelzreduktion in der Kieferorthopädie entscheiden.

Prof. Serge Bouillaguet (Universität Genf), Dr. Simona Gian (Varese) und Dr. Alvise Caburlotto (Venedig) waren live vor Ort. Da die Einreise aus Deutschland erschwert war, wurde OA Dr. Uwe Blunck von der Charité in Berlin zugeschaltet. «Adhäsivtechnik – sicher und aktuell» war sein Leitthema. Er vermittelte in den drei Stunden sein breites Wissen, was bei der Haftung an verschiedenen Substratoberflächen – Schmelz, Den-
tin, Komposite, Keramik und Metalle – zu beachten ist. Wichtig war ihm aufzuzeigen, welche Vorteile sich mit der Adhäsivtechnik bieten. Denn für den Therapieerfolg sei vor allem deren richtige Anwendung verantwortlich. In gewohnter Weise beschrieb er klar strukturiert die Grundmechanismen der Haftung, erläuterte die verschiedenen Begrifflichkeiten, beschäftigte sich mit der Erzielung von Rauigkeit und Benetzbarkeit, bevor er mit der praktischen Anwendung verschiedener Adhäsivsysteme sein fundiertes Seminar abschloss.

Konservative und chirurgische Lösungen
Die Begrüssung am Samstagmorgen übernahm Prof. Gagliardini, der Co-Rektor der Università della Svizzera italiana. Die USI ist eine der jüngsten Hochschulen der Schweiz – sie wurde erst 1996 gegründet. Die fünf Fakultäten mit über 100 Professoren verteilen sich auf vier Campus-Standorte. Sehr aktiv ist die USI bei der Forschung, aktuell laufen 21 ERC-Projekte.

Fachlich ging es weiter mit dem Vortrag von Dr. Marco Veneziani zum Thema «Konservierende und chirurgische Lösungen für Elemente mit hohem Grad an Beeinträchtigung». Der in Piacenza niedergelassene Zahnarzt betreibt ästhetische Zahnheilkunde und zeigte, welche konservierenden und chirurgischen Lösungen er bei stark kompromittierten Zähnen bevorzugt. Überzeugende Herangehensweisen, beeindruckende Bilder und Videos unterstrichen seine Perfektion. Das auf Italienisch vorgetragene Referat wurde – wie das gesamte Fachprogramm – simultan übersetzt. So konnten die Referate an beiden Tagen in Deutsch, Französisch oder Italienisch verfolgt werden.
 

Prof. Frauke Müller bei der Moderation.
 

Restaurationen ersetzen oder reparieren?
Weiter ging es mit PD Dr. Tobias Tauböck von der Universität Zürich mit dem Thema «Defekte Restaurationen ersetzen oder reparieren?» Er stellte Möglichkeiten nachhaltiger Korrekturmassnahmen vor und zeigte, wie diese durchgeführt werden. Da jede Praxis mit einem Misserfolg konfrontiert werden kann, stellt sich die Frage, ob gleich alles neu gemacht werden muss oder ob auch kleine Reparaturen helfen können. In einem sehr praxisbezogenen Vortrag wurde u. a. die technische Durchführung von Restaurationen vorgestellt und die Studienlage zum klinischen Erfolg vorgetragen. Wertvolle Take-home-messages gaben hilfreiche Tipps für die eigene Praxis.

Zahnmedizin für Kinder und Senioren
Vor der Mittagspause ging es um Kinder- und Seniorenzahnmedizin. Prof. Jan Kühnisch von der LMU München beschäftigte sich mit restaurativen und nicht-restaurativen Behandlungsmethoden zum Kariesmanagement im Milchgebiss. Dabei nahm selbstverständlich auch die aktuelle und derzeit oft diskutierte Molaren-Inzisiven-Hypomineralisation (MIH) eine entscheidende Rolle ein.

Prof. Murali Srinivasan (Universität Zürich) präsentierte minimal-invasive restaurative Therapien bei älteren Patienten. In seinem Vortrag zur Seniorenzahnmedizin schlug er eine Brücke zwischen präventiven und chirurgischen Eingriffen. Die Zahl älterer Patienten nimmt weltweit immer weiter zu. Das Alter wiederum beeinflusst die orale Mundgesundheit. Zahnverlust beeinträchtigt die Lebensqualität extrem und parodontale Erkrankungen und Wurzelkaries nehmen stark zu. Neben konservativen kommen auch atraumatische restaurative Behandlungen (ATR) für Senioren in Frage, ebenso wie minimalinvasive Implantattherapien. Nicht zuletzt bieten auch neue CAD/CAM-Technologien gute Möglichkeiten zur Herstellung von Prothesen.

Digitale Zahnmedizin
Ein Update zur Digital Dentistry gab PD Dr. Andreas Bindl (Universität Zürich und Praxis am Zürichberg). Er legte den Fokus zur Thematik «Defektorientierte Restauration in der digitalen Zahnmedizin» auf Materialien und das intraorale Scannen bei CAD/CAM chairside. Die Anzahl der Sitzungen lässt sich reduzieren, was in Zeiten von Corona mehr denn je als Vorteil gilt. Zudem wird mit dem vorgestellten Vorgehen die Reduktion von Aerosolen erreicht, denn ein Grossteil der Behandlung findet unter Kofferdam statt. Im weiteren Verlauf zeigte er den Workflow des Intraoralscannens auf, erläuterte gängige CAD/CAM-Materialien, ging sämtliche klinische Indikationen durch und zeigte klinische Beispiele mit verschiedenen Materialien.

Frontzahnimplantate
Das letzte Themengebiet des klinisch-wissenschaftlichen Spektrums zur restaurativen Versorgung drehte sich um Frontzahnimplantate. Dr. Christian Ramel (Praxis in Zürich) erläuterte step-by-step die entscheidenden Faktoren für den Langzeiterfolg.
 


Die Sicherheit für Teilnehmer und Referenten wurde sehr ernst genommen.


Fazit
Ganz sicher haben es die Teilnehmer nicht bereut, dabei zu sein. Die erfahrenen Referenten vermittelten mit ihren interessanten Fällen und praxisrelevanten Lösungen wertvolle Tipps für die eigene Praxis. Offene Fragen wurden von den Referenten beantwortet. Nicht zuletzt gab es alle Seminarinhalte als Hands-out. Die Teilnehmer und Aussteller fühlten sich gut umsorgt, denn wie nach dem letztjährigen Kongress erwartet, kümmerte sich das Organisations-Team der Firma Intensiv um CEO Günter Smailus mit viel Herzblut um den Kongressablauf und das Wohl und die Sicherheit aller Anwesenden.

Der 3. DENTAL INNOVATION CONGRESS wird übrigens bereits für den 24./25. September 2021 an der USI in Lugano geplant.

 

www.swissdic.ch

 

Text: Carmen Bornfleth

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