«Es sollte die Konsistenz von Soft-ice haben – dann ist es perfekt!»

Die neuen Werkstoffe in der Zahntechnik haben auch neue Materialien hervorgebracht. Grosser Trend sind sogenannte Pasten-Keramiken. Marion Gredig hat für uns einen Kurs in der CM Academy besucht und die Schweizer Pasten-Keramik Soprano® Surface selber ausprobiert.

 

Soprona Kurs bei CM in Biel

Weiterbildung macht Spass! Kursleiter Robert Arvai (2. von links) mit Thomas Zimmermann (Head of Sales Cendres+Métaux) mit Kursteilnehmern. Foto: Marion Gredig


Als ich in Biel in der CM Academy ankomme, treffe ich gleich auf bekannte Gesichter. Ein Kollege hat mit mir zusammen die HFZ (Höhere Fachschule für Zahntechnik) absolviert, einen anderen kenne ich als Referenten. Die Stimmung ist schon mal gut und das Fachwissen-Niveau hoch, denke ich und man könnte annehmen, meine Kurskollegen wüssten schon (fast) alles über Zahntechnik. Am Schluss des Tages geben sie jedoch unisono zu, vieles gelernt zu haben! Aber von Anfang an...

Der Inhalt
Wir sind hier in Biel im schönen Kursraum von Cendres+Métaux, um Surface kennenzulernen und anzuwenden. Surface erscheint in kleinen 5 Gramm Döschen, es ist keine Keramik und auch keine Malfarbe. Es eignet sich nicht für Zwischenmalbrände und man kann es auch nicht in die Keramik einmischen. Nein, Surface ist anders. Und kann anderes.

Die Oberfläche
«Zuerst einmal gehört es, wie der Name ja impliziert – an die Oberfläche» referiert Kursleiter Robert Arvai und erklärt gleich zu Beginn das Ziel des Kurses: «Es geht hier nicht um perfekte Schichtung, oder darum einen Zahn auf Grund von einer Fotovorlage nachzubauen. Sondern es geht hier darum, das Material zu verstehen. Wer weiss, wie Surface funktioniert, kann damit nicht nur monolithische Arbeiten effizient veredeln, sondern auch viele Probleme, die im zahntechnischen Laboralltag entstehen können, lösen. Surface ist nämlich auch eine Reparatur-Keramik. Anwendbar auf jedem Material und jeder Keramik.»

Teilnehmer-Fragen
Schon kommt die erste Frage aus dem Kursraum. Teilnehmer Nicola Lanfranconi aus Zürich fragt: «Kann man denn mit Surface zum Beispiel auch Chipping in der VMK reparieren?»
Arvai sagt: «Ja, genau darum geht es.» Surface sei auf Lithium-Disi-likat, Zirkon aber auch VMK anwendbar. «Der WAK von Surface ist nicht relevant, und es wird auf tiefen Temperaturen gebrannt. Deshalb kann es mit jeder Keramik verwendet werden. Man kann Surface als Generaluniversal-Reparatur Keramik anwenden. Es brennt bei 700 Grad genau so stabil wie bei 770 Grad.»

Die Kombination
Mir persönlich gefällt es nicht so besonders zu reparieren, aber ich sehe und verstehe was gemeint ist. Arvai erzählt vom Beispiel einer fertigen Brücke, die ins Labor zurückkommt, weil zu wenig Druck auf der Auflage besteht, also nachträglich noch der Pontic aufgebaut werden muss. Dafür könnte man nun Surface verwenden, sagt er.

Die Praxis
Wir haben hier am Kurs eine monolithische Zirkonkrone auf unseren Arbeitstischen bereitgestellt bekommen, die wir nun selber verarbeiten. Zuerst wird die Krone abgestrahlt. Dann kann das Auftragen von Surface auf der unbenetzten Krone beginnen. Es wird etwas Masse aus dem Töpfchen genommen und bei Bedarf verdünnt. Hier muss man auf zwei Dinge achten: Erstens, dass man hierfür die richtige Flüssigkeit verwendet und auf keinen Fall das Glasurfluid
(die Flüssigkeiten sind schon in der Konsistenz anders, man fühlt das beim Verreiben zwischen den Fingern).

Das Soft-ice
Und zweitens darf die Paste nicht zu fest verdünnt werden! Es sollte die Konsistenz von Soft-ice haben, dann ist es perfekt.

Das Ziel
Standardkrone fräsen, sandstrahlen und dann Höcker selber auftragen. In zwei Bränden. Voilà!

Das Umdenken
Wie erwähnt sind wir alles erfahrene Zahntechniker hier am Kurs, doch jeder von uns kommt sich zu Beginn wie ein Anfänger vor. Das sorgt für ein paar herzliche Lacher. Die Stimmung am Kurs ist generell sehr gut. Weil wir es gewohnt sind, zu schichten und/oder mit Glasur und Malfarben dünnflüssig zu malen, müssen wir komplett umdenken. Surface wird «verstrichen» so würde ich es persönlich beschreiben. Mir kommt es vor, wie wenn ich dickflüssigen Honig auf ein Knäckebrötli streichen würde. Merke aber schnell, dass diese Ungeschicklichkeit (zum Glück) nicht nur an mir selber sondern auch an meinem Pinsel liegt.

Die Form
Ein Kunststoffpinsel eignet sich wesentlich besser als der Keramikpinsel, den wir sonst anwenden. Und mir geht es einfacher, wenn ich wirklich nur Mini-Portiönchen verarbeite. Schlussendlich sollten nicht mehr als 0,1 bis 0,3 mm Material pro Brand aufgetragen werden. Hält man sich daran, bekommt die monolithische Konstruktion Form und Struktur.

Die erste Erfahrung
Ich schaue, ob dies bei Kurskollege Igor Milenkovic vom Labor Weber in Zug klappt und frage ihn, wie es läuft. Er wischt sich eine Strähne aus dem Gesicht, lacht und meint: «Uff, schwieriger als es aussieht. Aber sehr interessant! Doch, ich finde es super!» Ähnlich ergeht es Kursteilnehmerin Daniela Mitrovic, Inhaberin dlm dentaldesign in Zürich: «Also was mir sehr gefällt ist die feine angenehme Konsistenz zum Verarbeiten. Und die Standfestigkeit des Materials. Aber ja, es braucht also schon etwas Übung! Ich frage mich, ob ich es wirklich bedenkenlos auf anderen Keramiken auftragen kann. Denn ich möchte nicht unbedingt das ganze System umstellen.»

Das Geld
Arvai sagt, wenn wir etwas Übung haben, beträgt der insgesamte Arbeitsaufwand für die Veredelung nur noch etwa 1,5 Stunden. Denn sein Ziel sei: «Mit Effizienz im zahntechnischen Alltag ein schönes Resultat zu erreichen – weniger Aufwand, mehr Ertrag.»

Das Aufhellen
Wir sind uns einig, einen einzelnen Frontzahn wird man mit Surface nicht hinkriegen. Was Tiefe und Transparenz braucht, muss man Schichten, sagt Arvai. Allerdings können monolithische Kronen zum Beispiel mit den Enamel Value Massen aufgehellt, oder auch Veneer-Achsen nachträglich korrigiert werden, erzählt der Kursleiter.


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Das Wo?
Surface wird auf monolithischen Zirkon oder Lithium-Disilikat Kronen angewendet, um buccal und okklusal Form und Textur zu gestalten. Oder eben, um nachträglich, auf jedem Material Kontaktpunkte aufzutragen. Kursteilnehmer Lobsang Wangyetsang, Dentalteam Bern, sieht für sich folgenden Anwendungsbereich: »Ich möchte Surface bei uns im Labor anwenden, um bei monolithischen Zirkon-Arbeiten Frontzähne mit Schneide zu verschönern.»

Das Wie?
Ich erfahre am Kurs, dass man Surface auf verschiedene Arten anwenden kann:
1) In zwei Bränden: Zuerst Glasieren und Charakterisieren. Dann Masse und Struktur mit Surface auftragen oder umgekehrt.
2) In einem Brand: Surface und Glasurbrand gleichzeitig durchführen. Da ist es aber elementar wichtig, dass sich die beiden Materialien nicht vermischen!

Das No-Go
Was nicht geht ist Surface auf hochglanzpoliertem Zirkon anzuwenden. Sonst ist eigentlich alles möglich.

Die Effizienz
Mein Tischnachbar Mewaidin Selimi, Inhaber Primadenta Zahntechnik GmbH Amriswil TG, den ich von der Meisterschule kenne, spachtelt gerade hochkonzentriert etwas Surface aus dem Töpfchen und pinselt es auf seine Krone. Mich nimmt Wunder, wie er das Material findet. «Es ist interessant, etwas Neues. Allerdings nicht so einfach zum Anwenden», sagt er und fügt grinsend hinzu «ich bin da der Anfänger! Aber ich würde es gerne bei mir Labor brauchen, da ich glaube man ist schneller und effizienter.»

Der Erfolg
Die ersten Brände sind aus dem Ofen. Die Kursteilnehmer stehen gespannt davor und begutachten ihre Arbeiten. Ich frage Teilnehmer Lanfranconi ob ihm sein Resultat gefällt: «Ich finde es ein spannendes Material und ein guter Ansatz. Ich sehe Bedarf dafür bei mir im Labor. Ich finde ein Material super, wenn ich zwei Jahre damit gearbeitet habe. Das kann ich so nach einem Tag natürlich nicht sagen. Aber ich bin gespannt.»

Die Ökonomie
Was mir persönlich immer sehr gefällt, ist die Wirtschaftlichkeit eines Produktes. Beim traditionellen Schichten mit Keramikpulver sollte man die Keramik nicht mehrmals anmischen. Surface-Reste hingegen gehen zurück ins Dösli! Und können x-beliebig oft wiederverwendet werden.

Das Fazit
Zuerst einmal und das muss mal gesagt sein, die Kurse in der CM Academy sind immer toll organisiert! Die Kursbetreuer enorm freundlich und hilfsbereit. Ein richtig schöner Weiterbildungsort! Mit einer lustigen Truppe vergeht die Zeit wie im Fluge und man lernt immer viel dazu. Kursleiter ZT Robert Arvai hat ein extrem breitgefächertes technisches Fachwissen und teilt dieses gerne. Ich höre oft, dass Schweizer Zahntechniker weiterbildungsfaul sind. Das ist schade, denn ich glaube, nur wenn man sich ständig weiterbildet, können wir international konkurrenzfähig bleiben. Im monolithischen Trend muss meiner Meinung nach jeder Techniker ein System kennen, mit dem er innert nützlicher Frist eine gefräste oder gepresste Krone bearbeiten kann, sodass sie wie ein Zahn aussieht. Und dies funktioniert mit dem Schweizer Produkt Soprano Surface! Vielleicht braucht es eine Übungskrone, aber dann geht’s einfach von der Hand und funktioniert tiptop. Kurskollegin Daniela Mitrovic fasst es so zusammen: «Meine Surface Krone ist richtig schön geworden, ich bin happy.»

Hier gibt es Videos mit Robert Arvai:

www.cmsa.ch/surface

Kontakt:
Marion Gredig
marion.gredig@labor-gredig.ch

Cendres+Métaux SA
Rue de Boujean 122, 2501 Biel

 

 

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