PD Dr. Christoph Ramseier ist Präsident der SSP

Anfang November wurde PD Dr. Christoph A. Ramseier (zmk bern) für die nächsten zwei Jahre zum Präsidenten der Schweizerischen Gesellschaft für Parodontologie (SSP) gewählt. PD Ramseier folgt damit auf Dr. Patrick Gugerli aus Neuenburg, der den Verband vier Jahre lange führte. Welche Ziele sich der neue Präsident gesetzt hat und welche Ideen er zur Förderung der parodontalen Gesundheit in die Tat umsetzen will, hat er uns zu Beginn seiner Amtszeit verraten.

 

Foto: SSP/Hofer

PD Dr. Christoph Ramseier (rechts) übernimmt das Amt des SSP-Präsidenten von Dr. Patrick Gugerli.


ZZS: Zunächst einmal herzlichen Glückwunsch zur Präsidentschaft! Die Wahl konnte wegen Corona nur schriftlich stattfinden. Wir hoffen, dass sich dennoch ein komplettes Vorstandsteam zusammengefunden hat. Wer sind denn Ihre Vorstandskollegen für die kommenden zwei Jahre?
PD Ramseier: Vielen herzlichen Dank für Ihre Anerkennung. Wir konnten uns trotz Corona über eine hohe Stimmbeteiligung der schriftlichen Wahlen freuen. Dadurch kann unsere Fachgesellschaft für Parodontologie auch im kommenden Jahr mit dem bereits erprobten Team von Vorstandsmitgliedern sehr gut weiter funktionieren. Während aus der Westschweiz meine Kollegen Dr. Patrick Gugerli (Neuenburg, ehem. Präsident) und Dr. Hrvoje Jambrec (Genf) im Vorstand vertreten sind, werde ich ebenso tatkräftig von meinen Kolleginnen und Kollegen aus Basel (Prof. Roland Weiger und Prof. Clemens Walter), Bern (Dr. Dorothee Schär), Aarau (Dr. Antje Straub) und Zürich (Dr. Fabiola Krebs Rodriguez) unterstützt. Es ehrt mich sehr, die kommenden Herausforderungen in den nächsten Jahren mit diesem grossartigen Team in Angriff nehmen zu dürfen.

ZZS: Sicherlich haben Sie sich als Präsident ganz konkrete Ziele gesetzt. Was haben sie sich denn genau vorgenommen?
PD Ramseier: Ich möchte mich in meiner Amtszeit einerseits für die weitere Verbesserung der paro-dontalen Gesundheit einsetzen. Die Parodontitis ist in unserer Bevölkerung mit einer Prävalenz von mehr als 30 % immer noch weit verbreitet. Daher habe ich mir zum Ziel gesetzt, dass wir auf mehreren Ebenen unsere Bevölkerung über die Parodontitis besser aufklären und dass dabei immer auch auf die erfolgreichen Möglichkeiten der Prävention hingewiesen wird. Andererseits liegt es mir am Herzen, dass wir zur Förderung der parodontalen Gesundheit auf bereits bestehende Ressourcen zugreifen. Aus diesem Grund möchte ich die ersten Monate meiner Amtszeit dazu verwenden, mich national und international besser zu vernetzen. Die Förderung der parodontalen Gesundheit ist eine Teamarbeit sowohl auf der Ebene der zahnmedizinischen Berufe in jeder Zahnarztpraxis als auch auf der Ebene der zahnmedizinischen Berufsverbände inklusive der Schweizerischen Zahnärzte-Gesellschaft (SSO), der Vereinigung der Kantonszahnärztinnen und Kantonszahnärzte der Schweiz sowie der medizinischen Berufsverbände, der FMH und nicht zuletzt auch des BAG.

ZZS: Und wie wollen Sie diese Ziele erreichen?
PD Ramseier: Die Verbesserung der parodontalen Gesundheit kann mit einer guten Zusammenarbeit aller zahnmedizinischen Berufe weiter gefördert werden. Da die alltägliche Praxis der professionellen Parodontalbetreuung in unserem Land nicht überall gleich umgesetzt wird, werde ich in den kommenden Monaten Zeit investieren, die einzelnen Bedürfnisse von Praxis-teams landesweit einzusammeln. Danach können wir im SSP-Vorstand zusammen ermitteln, wie wir die Praxisteams von Seiten der SSP in der Förderung der parodontalen Gesundheit ihrer Patienten weiter unterstützen können.
Weiter möchte ich das Angebot von Fortbildungen weiter ausbauen und hierfür auch zeitgemässe Ressourcen, wie beispielsweise Online-Veranstaltungen, verwenden. Last but not least werden wir unsere Website www.parodontologie.ch in den kommenden Monaten aktualisieren. Dort werden neu sowohl unsere wertvollen SSP-Mitglieder als auch die Bevölkerung zusätzliche Inhalte und aktuelle Informationen beziehen können. Ebenso werden wir unseren digitalen Newsletter mit aktuellen Informationen zur Parodontologie zweimal jährlich unseren Mitgliedern zukommen lassen.

ZZS: Sie haben in der Vergangenheit schon sehr viele Ideen zur Förderung der parodontalen Gesundheit entwickelt. Können Sie unseren Lesern einen kurzen Überblick geben über Ihre bisherigen Aktivitäten?
PD Ramseier: Vielen Dank für Ihr Kompliment. Sie sprechen womöglich meine Tools an, die ich in den vergangenen Jahren online publizieren durfte. Erst hatte ich die parodontale Risikobeurteilung nach Lang und Tonetti (2003) als Online-Tool publiziert. Diese kostenlose Anwendung unter www.perio-tools.com/pra erleichtert es heute weltweit vielen Praktikern, ihren Patientinnen und Patienten den Einfluss von Risikofaktoren auf das Fortschreiten parodontaler Erkrankungen zu erklären. Später hatte ich den Online-Parodontalstatus realisiert. Dieser ist heute unter www.periodontalchart-online.com in 28 Sprachen kostenlos verfügbar. In deutscher Sprache habe ich dieses Tool unter www.parodontalstatus.ch publiziert. Vor wenigen Wochen ist neu unter www.perio-tools.com/upt das Online-Tool zur Bestimmung des Recall-Intervalls hinzugekommen.
Neben diesen Tools konnte ich digitale Informationsplattformen über Parodontitis und Zahnfleischrezessionen publizieren. Während die Website www.parodont.ch die Informationen rund um die Parodontitis in allen unseren vier Landessprachen inklusive Rätoromanisch anbietet, ist diese Informationsplattform unter www.periodontal-health.com in weiteren fünf Sprachen verfügbar. Die mehrsprachigen Tools und Informationsplattformen haben insgesamt das Ziel, für Praxisteams auch weltweit die parodontale Diagnostik einerseits sowie die parodontale Betreuung andererseits zu vereinfachen. Ebenso sollen dadurch die zur erfolgreichen Prävention von Parodontalerkrankungen notwendigen Informationen zur Parodontitis der Allgemeinbevölkerung besser zugänglich gemacht werden.

ZZS: Und welche neuen Ideen zur Förderung der parodontalen Gesundheit wollen Sie während Ihrer Amtszeit realisieren?
PD Ramseier: Wie bereits erwähnt, möchte ich mit zeitgemässen Ressourcen, wie beispielsweise Online-Veranstaltungen oder virtuellen Study Clubs, einen Austausch unter den SSP-Fachzahnärztinnen und -zahnärzten fördern. Die Study Clubs würden wir auch bereits Assistenten/-innen während ihrer Weiterbildung anbieten. Weiter schwebt mir vor, mit zusätzlichen Tools für Zahnarztpraxen, die professionelle Parodontalbetreuung weiter zu optimieren. Last but not least möchte ich auch zusätzliche Aktivitäten im Fach Parodontologie würdigen, welche bisher noch nicht wirklich wahrgenommen wurden, wie Diplomarbeiten von Schüler/-innen an Schweizer Dentalhygieneschulen oder Masterarbeiten oder Dissertationen im Fach Parodontologie von Studierenden der Zahnmedizin in der Schweiz. Mit diesen Würdigungen können wir die Schweizerische Gesellschaft für Parodontologie auch für unseren Nachwuchs besser erkennbar machen.

ZZS: Was denken Sie, wie wird sich die parodontale Gesundheit der Schweizer Bevölkerung in den kommenden Jahren entwickeln?
PD Ramseier: Insgesamt denke ich, dass sich die parodontale Gesundheit unserer Bevölkerung in den kommenden Jahren weiter verbessern wird. Allerdings braucht es hierzu viel Aufklärungsarbeit und ein anhaltend grosses Engagement aller Praxisteams in der Schweiz. Wie zuvor erläutert, werde ich mich zusammen mit dem SSP-Vorstand für diese Aufklärungsarbeit weiter einsetzen. Dadurch kann der Zeitaufwand in den Schweizer Zahnarztpraxen weiter optimiert werden. Eine zusätzliche Optimierung kann erreicht werden, wenn nachhaltige Konzepte in der Tertiär- und Quartärprävention weiter optimiert werden können. Während erstere mit Massnahmen zur Optimierung der Recall-Intervalle personalisiert umsetzbar sind, können letztere verhindern, dass Überbehandlungen ohne Indikation durchgeführt werden.

ZZS: Wir wünschen Ihnen viel Erfolg für Ihre Amtszeit!
PD Ramseier: Vielen herzlichen Dank, das wünsche ich der Zahn-Zeitung Schweiz auch!

www.parodontologie.ch

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