SARS-CoV-2 in der täglichen Praxis

Wie gehen Schweizer Praxen mit der Corona-Pandemie um? Wir haben uns zur aktuellen Lage in Corona-Zeiten umgehört. Wie läuft es in der Krise? Welches waren und sind die grössten Herausforderungen? Welche Vorkehrungen wurden getroffen, um das Praxisteam ebenso wie die Patienten sicher durch diese Zeit zu bringen? Dr. Tobias Hägi aus Bern und Dr. Marco Zeltner aus Horgen waren bereit, uns einen Einblick in die aktuelle Situation zu geben und haben ein paar Fragen beantwortet.

Corona in Schweizer Praxen

Wir haben uns zur aktuellen Lage in Corona-Zeiten umgehört. Wie läuft es in der Krise? Foto: iStock/Maksim Tkachenko


ZZS: Wie haben Sie die Zeit des Lockdowns genutzt?
Dr. Tobias Hägi: Wir haben natürlich einerseits all die nötigen Anpassungen und organisatorischen Massnahmen im Zusammenhang mit Covid-19 umgesetzt. So haben wir beispielsweise vor dem Wiedereinstieg all unsere PatientInnen mit einem Brief kontaktiert und über die bevorstehenden Änderungen informiert. Andererseits haben wir aber auch ganz gezielt an Themen gearbeitet, welche manchmal sonst zu kurz kommen. So haben wir z.B. Arbeitsabläufe und Formulare angepasst, unser Materiallager überarbeitet, Prozesse und Abläufe hinterfragt und angepasst. Nicht zuletzt haben wir uns auch in diversen Webinaren fachlich weitergebildet.

Dr. Tobias Hägi

ZZS: Welches waren nach dem Lockdown die grössten Herausforderungen?
Dr. Hägi: Wir erachteten es als zentral und wichtig, dass wir jeden und jede unserer PatientInnen und auch all unsere Mitarbeitenden mit ihren persönlichen Anliegen und Ängsten abholen können. Ich habe im privaten als auch im beruflichen Umfeld festgestellt, dass doch jeder Mensch mit diesen Veränderungen und Gefahren ganz unterschiedlich umgeht. Allen gerecht zu werden, war nicht immer ganz einfach. Weiter war ja vor dem Wiedereinstieg nicht ganz klar, wie der Praxisstart wieder anlaufen würde. So mussten wir sowohl auf einen sehr langsamen Start, als auch einen relativ intensiven Wiedereinstieg vorbereitet sein. Das führte dazu, dass wir teilweise sehr kurzfristige Entscheide treffen mussten, was von unseren Mitarbeitenden relativ grosse Flexibilität erforderte.

Dr. Marco Zeltner: Wir mussten sicherstellen, dass auch alle Patienten wissen, dass wir wieder geöffnet haben. Deshalb haben wir möglichst viele SMS und E-Mails verschickt.
 
ZZS: Wie sieht die aktuelle Situation in der Praxis aus?
Dr. Hägi: Nach dem doch intensiven Wiedereinstieg für alle Seiten, hat sich momentan die Situation insofern normalisiert, dass sich wieder Routine in die alltäglichen, teilweise neuen Abläufe einspielen. Das ist einerseits wichtig für ein fokussiertes Arbeiten, andererseits auch für einen entspannten Praxis-alltag.

ZZS: Was hat sich in Ihrem Praxisablauf verändert:
Dr. Zeltner: Wir haben unsere Öffnungszeiten erweitert, so dass wir weniger Patienten gleichzeitig in der Praxis haben. Trotzdem können wir total dieselbe Anzahl Patienten pro Tag behandeln.

Dr. Marco Zeltner

ZZS: Hat sich das Verhalten Ihrer Patienten verändert?
Dr. Hägi: Unsere Patienten sind grundsätzlich sehr dankbar für die erfolgten Massnahmen und empfinden den Besuch bei uns aufgrund dieser Massnahmen als sehr sicher. Ich erlebe den Umgang mit dieser für alle schwierigen Situation grundsätzlich als sehr pragmatisch und unaufgeregt.

ZZS: Welche Hygiene-Massnahmen sind Ihnen besonders wichtig zum Schutz von Personal und Patienten?
Dr. Hägi: Wir haben im Rahmen unseres Schutzkonzeptes insbesondere den Patientenfluss verändert. So liegt die Priorität unseres Schutzkonzeptes nebst den intensivierten Hygienemassnahmen auf einer Reduktion der zwischenmenschlichen Kontakte. Innerhalb der Praxis haben wir dazu fixe Behandlerteams (DA/ZAZ) definiert. Auf Patientenseite haben wir den Patientenfluss in der Praxis angepasst und eine «Einbahnstrasse» etabliert. Zudem haben wir den Wartebereich ausserhalb der Praxis verlagert. Durch zusätzliche Verlängerung der Behandlungszeiten pro Sitzung können wir ein Null-Wartezeit-Prinzip realisieren. Durch all diese Massnahmen garantieren wir minimale zwischenmenschliche Kontakte innerhalb der Praxisräumlichkeiten. Die Konsequenzen sind allerdings ganz klar ein Mehraufwand und weniger Patienten in derselben Zeit wie vor Covid-19.

ZZS: Gibt es spezielle Massnahmen, die Sie seit dem 27. April neu eingeführt haben?
Dr. Zeltner: Selbstverständlich halten wir sämtliche Vorgaben des BAG bezüglich Abstand, Maske, Händedesinfektion etc. ein. Sehr wichtig ist uns aber auch, uns als Behandler – egal ob unsere DHs oder Zahnärzte – zu schützen. Deshalb gurgelt und spült bei uns jeder Patient vor der Behandlung mit 1 % H2O2 und 0,2 % CHX gemäss dem Protokoll der Universität Mailand. Hierzu hab ich auch zur Information meiner Kollegen und der Patienten ein Video auf YouTube online gestellt.

ZZS: Vielen Dank für diese offenen Worte. Sicherlich sind einige der Ansätze auch für andere Praxen interessant.

 

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