Wohin geht der Trend bei monolithischen Kronen?

Wie der Name schon sagt, besteht die monolithische Krone aus nur einem Teil. Sie kann gefräst oder gepresst sein und wird nachträglich bemalt. Kann das schön aussehen? Marion Zihler Gredig hat verschiedene Materialien getestet.

monolithische Krone

Bei der mit MiYO veredelten monolithischen Krone überzeugt die Tiefenwirkung und der 3D-Effekt. Foto: ZTM Alexander Fink

Gewusst wie! Dieser Beitrag zeigt, wie eine ästhetisch hochwertige, monolithische Seitenzahnkrone hergestellt wird. Und diese hat so auch ihren berechtigten Platz in der modernen Zahntechnik. Vor allem auch, da bei einer Mono-Krone kein Chipping entstehen kann.

Hassliebe monolithische Krone

Eine Hassliebe verbindet den Keramiker mit der monolithischen Krone. Wir sind es traditionell gewohnt, Keramik in Schichten aufzutragen, dabei können wir die wunderbare Tiefenwirkung des natürlichen Zahnes kopieren. Wir modellieren die Krone und hauchen ihr mit dem Pinsel mit Transluszenz-, Transparenz- und Opaleszenz-Massen Leben ein. So dass man nicht mehr erkennt, dass es sich um einen Artefakt handelt. Was also tun, wenn unser Zahn nicht additiv aufgebaut wird, sondern monolithisch ist?

Dieser meist opake Zahn muss veredelt werden. Die sogenannte Veredelung der monolithischen Krone kann verschiedene Methoden haben. Ich habe bei vier renommierten Zahntechnikern nachgefragt, welche Technik sie im Labor verwenden, um aus dem monolithischen Block – mit dem entsprechenden Know-how – einen schönen Zahn zu machen.

 Mit MiYO Malfarben: «You get what you see».

Fotos: Marion Zihler Gredig


Die Veredelung

Bei der monolithischen Krone besteht die Herausforderung darin, mit minimalster Auftragung von Keramik oder Glasur, Dimensionen zu erzeugen. Zahntechniker Stefan Frei aus München gebt dabei wie folgt vor: Er modelliert die Teilkronen zuerst sorgfältig, Höcker um Höcker von Hand aus Wachs. Diese werden dann aus Lithiumdisilikat e.max® gepresst. Dafür hat Frei einen HT Rohling verwendet und die Kronen mit Ivoclar Stain und Glaze charakterisiert.

Die gleiche Vorgehensweise hat auch Zahntechniker Alen Peka aus Thun gewählt. Auch er modelliert die Kronen zuerst selber aus Wachs. Danach wird eingebettet und gepresst.

«Nach dem Aufpassen und Ausarbeiten der e-max-Krone, glasiere ich nur einmal, den Rest poliere ich mit Diamant-Paste, um die morphologischen Details zu behalten», erklärt ZT Peka seine Arbeitsmethode.

Giuseppe Voce, Oraldesign Turicum, hat mir ebenfalls Fotos einer Arbeit aus Lithiumdisilikat geschickt. Er hat sich für LiSi Press entschieden. Das Finish wurde mit Lustre Pastes und Spectrum Stains von GC erzielt.

«LiSi Press bietet eine sehr gute Stabilität (auch bei reduzierter Dicke) und garantiert mir, dank der hohen Integrationsfähigkeit, eine optimale Ästhetik» meint ZT Voce.

ZT Kai Vogeler verwendet für seine Mono-Arbeit das neue Schweizer Livento Press aus dem Hause CM. Er hat einen MT-Rohling gewählt, diesen dann mit Fluo Stains individualisiert.
 

 
Vier renommierte Zahntechniker – vier verschiedene Techniken, um aus einem monolithischen Block einen schönen Zahn zu machen.


Monolithisch – aber nicht in der Front!

Monolithische Kronen können also richtig gut aussehen, wie die Arbeiten der vier Zahntechniker hier im Beitrag beweisen. Wir alle sind uns allerdings einig, dass wir keinen Einsatz dafür im Frontzahnbereich sehen. Um ästhetisch höchst anspruchsvolle Ergebnisse zu erzielen, führt kein Weg an der von Hand geschichteten Keramikkrone vorbei.

2D- und 3D-System

Seit der letzten IDS im Frühling 2019 sind gleich mehrere neue Keramikveredelungssysteme auf dem Markt. Auf zwei davon möchte ich hier näher eingehen, denn ich konnte diese bei mir im Labor testen.

ceraMotion® One Touch

Relativ neu auf dem Markt ist das ceraMotion® One Touch von Dentaurum. Mit den 2D-Massen möchte ich meine überschichtete Zirkon-Frontzahnkrone veredeln. Im Prospekt sehe ich, dass mit den 2D-Malfarben Farbe und Chroma gegeben, verstärkt oder verändert werden kann. Die 2D-Massen sind bereits mit Glasur angemischt und müssen auch nicht verdünnt werden, sondern sind zum Direktauftragen. Ich finde das Handling sehr benutzerfreundlich, es entstehen weder Klümpchen noch sogenannte Farb-Seen. Die «Body-Farben» in den abgestimmten LV Zahnfarben A-D gefallen mir prima. Mit ihnen kann eine Farbverschiebung oder Intensivierung erzielt werden. Da ich eine extrem helle Zahnfarbe bestimmt habe, benutze ich nur einen Hauch »Body B» für die approximalen Flächen. Auch «Incisal13», «White» und «Violet» gefallen mir auf Anhieb. Gerade «white» konnte den erwünschten Helligkeitswert meiner Zirkonkrone verbessern. Die One Touch 2D-Massen wirken dezent aufgetragen sehr natürlich.

Möchte man mit der Cutback-Technik arbeiten oder auch nur einzelne Kontaktpunkte ergänzen, greift man zu den 3D-Massen. Diese bestehen aus Glaskeramikpartikeln, die als Paste daherkommen. Mit den 3D-Massen kann laut Hersteller, Keramik bis zu 1 mm dick aufgetragen werden.

Die Anzahl Brände bei 730 Grad mit Vakuum ist unbeschränkt, da kein Vergrauen stattfindet. Bei der Cutback-Technik schichte ich persönlich lieber traditionell. Ich teste das 3D-Set aber gerne an einer monolithischen Seitenzahnkrone aus Katana Zirkon. Das Addieren von Kontaktpunkten hat für mich mit den One Touch 3D-Massen unkompliziert funktioniert.

Anwendung

Die Oberfläche der monolithischen Krone wird leicht benetzt, danach können 2D- oder 3D-Massen aufgetragen werden. Dies geht alles grenzenlos, da die 3D-Massen in einer dicklichen Konsistenz aufgetragen werden und dort stehen bleiben, wo platziert. Das steht so im Prospekt und funktioniert auch tatsächlich im Laboralltag. Die Dentaurum-Systeme und die Flüssigkeiten dazu sind farblich codiert, was die Anwendung vereinfacht. Im Prinzip braucht es hier zur Veredelung nur einen Brand, da alle Massen bereits Glasur enthalten. Sogar auf ein Polieren könnte verzichtet werden.

Mir persönlich ging es in zwei Schritten besser zur Hand, aber das liegt vermutlich an der Gewohnheit. Das Handling von ceraMotion® One Touch ist einfach und benutzerfreundlich. Den Grund für die Natürlichkeit des Ergebnisses, erklärt François Hartmann, Head of Customer Support Prosthetics von Dentaurum: «Wir verwenden bei One Touch keine Metalloxide, die das Licht blockieren, sondern benutzen Glaskeramikpartikel, die in der Keramikfritte (Paste) integriert und fluoreszierend sind.«

Besonders erwähnenswert dünken mich die Gingivamassen «cera- Motion® one Touch Pink» von Dentaurum. Die Deckkraft ist super und ich kann die verschiedenen Rosatöne mischen. Da ich viele Implantatarbeiten im Labor habe, ist das ideal. Und ein grosses Plus für mich: Alle Massen können einzeln bestellt werden – es braucht keine grossen Anschaffungskosten.

 
Mit One Touch fertiggestellte Krone.


MiYO – die flüssige Keramik

Als ich an der letztjährigen IDS in Köln unterwegs war, fiel mir eine grosse Menschentraube am Stand von Jensen auf. MIYO, die flüssige Keramik wurde demonstriert. Techniker aus der ganzen Welt schauten interessiert zu. Das Produkt gibt es schon länger, aber so richtig entdeckt wurde es erst letzten Frühling. Wer MiYO selber testen will, kann nicht einfach ein paar Töpfchen bestellen. Es gibt nur das ganze Sortiment zu kaufen. Der Gedanke dahinter: Die amerikanische Firma möchte, dass man das System richtig begreift, bevor man loslegt.

Auf Wunsch kommt ein Anwendungstechniker im Labor vorbei, das ist eine kostenlose Service- Dienstleistung. Zu mir an den Hallwilersee kommt Jensen-Techniker Stefan Müller. Er hilft mir mit den Ofeneinstellungen und zeigt mir in einer Art Privatkurs das genaue Handling und die Verarbeitung von MiYO. Dieser Aufwand lohnt sich für Jensen, denn so bekommt der Neuanwender von Anfang an schöne Ergebnisse.

Stefan Müller beschreibt mir das neue Material so: «MiYO ist flüssige Keramik, aber sie verflüssigt sich nicht. Alles bleibt dort wo es platziert wurde, nichts verläuft. You get what you see!».

 
Frontzahnkrone mit MiYO.


You get what you see

Der MiYO-Techniker demonstriert, wie die flüssige Keramik richtig verarbeitet wird. Die Oberfläche wird leicht benetzt, die Farben in den Töpfchen mit dem Keramikspachtel durchgemischt und geknetet. Die Massen werden bereits in der richtigen Konsistenz geliefert und sollten nicht verdünnt werden.

Hier ein Tipp: Denkt an Marzipan oder Komposit, dann ist die Konsistenz ideal. Dies ist für den Keramiker etwas ungewohnt, da wir normalerweise den Glasurbrand eher flüssig auftragen. Da muss man einfach etwas umdenken.

Die Krone kann in einem Brand fertiggestellt werden. Oder man macht es in zwei Schritten. Das bedeutet man fixiert zuerst die Farbe mit einem Brand und trägt dann in einem weiteren Schritt millimeterdünnes Strukturmaterial auf. Dies ergibt dann die gewünschte Tiefenwirkung und den 3D-Effekt. Mit dem richtigen Pinsel und gewusst wie, erzeugt Kursleiter Stefan die schönsten Perikymatien im Handumdrehen. Er ist äusserst versiert und hilft mit wertvollen Tipps und Tricks.

Fazit MiYO

MiYO kann sowohl für Vollkeramik-Rekonstruktionen als auch für VMKS verwendet werden. Ein Sortiment für unterschiedliche Materialien finde ich natürlich sehr positiv. Die Verarbeitung ist vielleicht etwas aufwändiger als andere Systeme, nicht unbedingt im Handling, sondern weil vorerst gelernt werden muss, wie was funktioniert damit die Ergebnisse von Anfang an passen. Gewusst wie, überzeugt die mit MiYO veredelte monolithische Krone. Ich verstehe nun die Philosophie und den Hype, den dieses Produkt in der Zahntechnikbranche auslöst. Als Kleinlabor kaufe ich allerdings einfach ungern ganze Sets (hier sind es sogar zwei, mit dem Gingivaset). Aber das ist meine persönliche Meinung und hat nicht im geringsten etwas mit der Qualität des Produktes zu tun.

Schlussfazit

Die monolithische Krone ist unbestritten absolut im Trend. Damit meine ich nicht die einfarbige Chinakrone, sondern die Zirkon- oder Lithiumdisilikat-Krone, die vom geübten Techniker so veredelt wird, dass sie hochwertig und natürlich aussieht. Die hier beschriebene monolithische Krone wird nicht einfach verschenkt, sondern hat einen wirtschaftlich fairen Preis, für den Patienten aber auch fürs Labor!

Wir sehen in diesem Beitrag ganz klar, dass viele Wege nach Rom führen. Meiner Meinung nach sind die neuen 3D-Systeme revolutionär und eine grosse Bereicherung.

Generell finde ich, gut ausgebildete Techniker kennen die physikalischen Eigenschaften ihres Materials. Sie wissen aus Erfahrung, wie man schöne Frontzähne schichtet. Oder, wie man mit minimalem Aufwand, eine maximal natürliche und unübertroffen stabile, monolithische Krone kreieren kann. Und um die Eingangsfrage zu beantworten, diese Kombination, Schichten Front, Molaren Mono, ist meiner Meinung nach nicht nur ein Trend, sondern ein zielführender Weg in der modernen Zahntechnik.
 

Kontakt:
Marion Zihler Gredig
Labor Gredig
Schulstrasse 6
5706 Boniswil am Hallwilersee
Tel. 062 777 45 11
marion.gredig@labor-gredig.ch

 

© Copyright 2016 - Swiss Professional Media AG