www.parodont.ch klärt auf über die Volkskrankheit Parodontitis

Die neue Website www.parodont.ch von PD Dr. Christoph Ramseier wurde am 12. Mai, dem European Gum Health Day, offiziell veröffentlicht. Sie bietet umfassende Informationen über Ursachen, Folgen, Diagnose, Therapie und Vorbeugung der Parodontitis und richtet sich vor allem an Patienten. Wir haben mit PD Ramseier gesprochen und mehr über sein Projekt erfahren.

Aufklärung über Parodontitis

Fotos: www.parodont.ch


ZZS: Parodontitis ist nach wie vor eine der häufigsten chronischen Erkrankungen weltweit. Wie stellt sich aktuell die Situation in der Schweiz dar?
Ramseier: In der Schweiz leidet etwa eine von zehn Personen an einer schweren Parodontitis, etwa zwei von zehn haben eine mittlere oder leichte Form. Auch wenn es noch immer eine Volkskrankheit ist, sind wir in der Schweiz dennoch auf einem guten Weg. Wir bewegen uns zwischen 25 und 30 % der Bevölkerung. Das klingt im Verhältnis zu den weltweiten Zahlen, wo rund 40 % der Bevölkerung betroffen sind, erstmal wenig. Bei 8,6 Millionen Einwohnern sind das aber immer noch über 2 Millionen Betroffene. Deshalb muss man immer wieder sensibilisieren. Der Zahnarzt und sein Team sind die beste Informationsquelle. Um Diagnose und Therapie zu bekommen, müssen die Betroffenen aber erstmal in die Praxen kommen. Da bei Parodontitis jedoch in den meisten Fällen keine Schmerzen auftreten, gibt es für Betroffene oft keinen Grund, eine Zahnarztpraxis aufzusuchen. Deshalb sehe ich unsere neue Website als ideales Tool zur Aufklärung unserer Bevölkerung und zur Motivation für eine gezielte Untersuchung.

PD Dr. Christoph Ramseier

ZZS: Das heisst, Sie verfolgen mit der Webseite die konkrete Vision zur Bekanntmachung der Volkskrankheit in der Bevölkerung?
Ramseier: Ja, die eigentliche Zielgruppe der Website sind die Patienten. Über Zahnarztpraxen soll jedoch kommuniziert werden, dass es die neue Website gibt und es für Betroffene Sinn macht, dort reinzuschauen und sich zu Ursachen, Folgen, Diagnose, Therapie und Vorbeugung zu informieren. Als besonderen Service haben wir in jeder Einzelseite ganz unten weitere Informationen und Bildmaterial als pdf und PowerPoint-Datei hinterlegt. Diese können runtergeladen werden und für eigene Produktionen, wie die eigene Praxishomepage, Schulungen etc., verwendet werden. Es muss lediglich die Quelle parodont.ch genannt werden. So hoffen wir, dass die Seite vermehrt genutzt und verbreitet wird. Zudem soll die Seite über Social Media und Google unter dem Hashtag Parodontitis von Bürgerinnen und Bürgern gefunden werden. Wir möchten gerne die erste Anlaufstelle für Paro-dontitis-Betroffene sein, da sie bei uns ohne kommerzielle Darstellung, sondern neutral und objektiv informiert werden.

ZZS: Wie ist die Idee zur neuen Website entstanden?
Ramseier: Die Idee der Website ist entstanden, da sich heute die Leute lieber mit Mobiltelefonen online informieren anstatt eine Broschüre beim Zahnarzt mitzunehmen. Manch andere bereits bestehenden Angebote im Internet sind teils sehr komplex, aber auch zu oberflächlich oder zu kommerziell, ohne konkret die Fragen der Betroffenen zu beantworten und das Behandlungskonzept zu beschreiben. Leider haben die verschiedenen internationalen Fachgesellschaften aktuell auch noch wenig dazu. Die Basis für die Inhalte der Website entstanden im Rahmen einer Doktorarbeit an der Universität Bern.  Die Website wurde von mir selbst mit WordPress umgesetzt. Die Illustrationen wurden von einer wissenschaftlichen Illustratorin gefertigt. Unser Ziel ist es, die Bürgerinnen und Bürger rundum über Parodontitis aufzuklären. Vor allem Vorbeugung und Behandlung sind uns wichtig. Aber die Bevölkerung soll auch erfahren, dass die Diagnostik einer Parodontitis sehr einfach durchgeführt werden kann. www.parodont.ch will neutral und umfassend und nicht im Stile eines Lexikons informieren.

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ZZS: Welche Chancen sehen Sie, eine Reduktion der Parodontitisfälle zu erreichen?
Ramseier: Wir wünschen uns zunächst, dass durch die verbesserte Aufklärung die Bürgerinnen und Bürger zu einer besseren Mundhygiene motiviert werden und sie mit dem Rauchen aufhören. Zudem möchten wir auch Diabetes-Patienten sensibilisieren. Allgemein wünschen wir uns, dass sich Patienten früher zu einer zahnärztlichen Untersuchung entscheiden. Denn je früher diagnostiziert wird, umso früher kann therapiert werden und dann ist die Prognose besser. Parodontitis kann man in den Griff kriegen – und das ist die Vision, die mich antreibt.

ZZS: Wer ist die Zielgruppe für das Internetangebot?
Ramseier: In erster Linie sollen Patienten Antworten auf ihre Fragen finden und aufgeklärt werden. Zudem richtet sich das Angebot selbstverständlich auch an Zahnärzte, Dentalhygienikerinnen und auch Schulzahnpfleger. Durch die Möglichkeit der lizenzfreien Datennutzung können neben Zahnarztpraxen auch Studierende bei ihren Doktor- und Masterarbeiten davon profitieren.

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ZZS: Welche Fragestellungen werden auf der Seite konkret beantwortet?
Ramseier: Wir geben dem User einen Gesamtüberblick zur Paro-dontitis und gehen dabei näher  auf die Ursachen, Folgen, Diagnose, Therapie und Vorbeugung ein. Alle Seiten sind mit wenig Text und zahlreichen selbsterklärenden Bildern versehen. Neben häufigen Fragen (FAQs) und der Möglichkeit selbst Fragen zu formulieren gibt es auch einen Selbsttest zur eigenen Risikoeinschätzung.

ZZS: In welcher Form sollen Patienten die Seite konkret nutzen?
Ramseier: Aktuell ist es noch so, dass Patienten sich vor allem über fehlende Zähne oder Füllungen unterhalten. Keiner fragt, ob er Zahnfleischtaschen hat oder noch der gesamte Knochen um die eigenen Zähne vorhanden ist. Mit einer umfassenden Aufklärung kann sich hier was ändern, nämlich dann, wenn die Patienten wissen, dass diese Befunde allesamt Indizien für die Parodontitis sind. Die letztendliche Klärung, ob eine Parodontitis vorliegt, muss jedoch definitiv in der Zahnarztpraxis erfolgen, da nur dort Frühzeichen erkannt werden. Ansprechpartner ist und bleibt ganz klar der Zahnarzt.

ZZS: Ist die Seite denn auch in anderen Sprachen verfügbar?
Ramseier: Bis Herbst planen wir weitere drei Sprachen. Die französische, italienische und natürlich auch die englische Version sollten bis dahin stehen. Ich gehe davon aus, dass mir durch den Kontakt zur European Federation of Periodontology (EFP) Kontakte zu weiteren internationalen Partnergesellschaften eröffnet werden, um die Seite dann auch in weiteren Sprachen zu realisieren. Als Vorbild gilt hier meine Website www.parodontalstatus.ch, die es inzwischen in 25 Sprachen gibt und die täglich rund 1000 mal aufgerufen wird.

ZZS: Was wollen Sie national bzw. international mit www.parodont.ch erreichen?
Ramseier: Ich hoffe, dass die Seite nicht nur den Bürgerinnen und Bürgern in der Schweiz gefällt und von ihnen genutzt wird. Sie soll langfristig weltweit all denen helfen, die von Parodontitis betroffen sind, um frühzeitig die richtige Behandlung und Betreuung zu bekommen.

ZZS: Herr Dr. Ramseier, wir wünschen Ihnen viel Erfolg!


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