Ein Blick in die vernetzte Zahnarztpraxis von morgen
Ende November versammelten sich im Zetta25 in Zürich zahlreiche Interessenten zum KI-Workshop von Dentronik, um einer angekündigten Weltpremiere beizuwohnen. Im Zentrum der Veranstaltung stand die Frage, wie Künstliche Intelligenz, Cloud-Technologien und Augmented Reality den zunehmend komplexen Praxisalltag in der Zahnmedizin konkret unterstützen und entlasten können.

Durch das Programm führte Dr. Thomas Müller vom Institut für angewandte Dentronik, dem Veranstalter der Fortbildung. Er präsentierte im Laufe des Nachmittags gemeinsam mit Dr. Felix Gamper eine Vielzahl an Innovationen und Trends. Dabei sprachen sie auch offen über technische Herausforderungen – von stabiler WLAN-Infrastruktur bis hin zu Cloud-Abhängigkeiten – und halfen somit für eine realistische Einordnung der vorgestellten Lösungen.
KI-Plattform, AR-Brille und Cloudlösung
Drei innovative Technologien standen bei der Vision einer vernetzten Cloud-Zukunft im Fokus: AnyGuard als datenschutzkonforme KI-Plattform, Dentolution mit AR-Brille und Materialmanagement sowie cloudbasiertes Arbeiten innerhalb der DS-Cloud mit PrimeScan 2. Diese vernetzte Cloud fungiert als zentrale Plattform für Kommunikation, Dokumentation und Prozesse.
KI-Assistenz im Praxisalltag
Ein zentrales Thema war der wachsende Druck im Praxisbetrieb: steigende administrative Anforderungen, Fachkräftemangel, zunehmende juristische und regulatorische Vorgaben sowie eine wachsende klinische Komplexität einzelner Patientenfälle. Hier setzt AnyGuard Dental an. Die KI-Lösung ermöglicht den Einsatz spezialisierter KI-Assistenten, die gezielt auf die Zahnmedizin zugeschnitten sind, gleichzeitig aber auch allgemeine KI-Funktionalitäten abdecken. Eigene Wissensdatenbanken und das Spezialwissen der Praxis – etwa Praxisstandards, QM-Dokumente oder Hygieneprozesse – lassen sich integrieren und abrufen.
Vorsicht beim Datenschutz
Besonderes Augenmerk lag auf dem Datenschutz: Kostenlose KI-Tools stossen im medizinischen Umfeld rasch an Grenzen, insbesondere bei sensiblen Patientendaten. AnyGuard arbeitet mit Servern in der Schweiz, einer Pseudonymisierungstechnologie, bei der Patientendaten automatisiert ersetzt werden, sowie einer differenzierten Rechtevergabe für mehrere Nutzer. Damit erfüllt die Plattform die Anforderungen der DSGVO, deren Verstösse mit teils erheblichen Geldstrafen geahndet werden können – in der Schweiz bis zu 250’000 CHF.
Erfolgreiches Prompting
Die Teilnehmenden lernten, wie wichtig gezieltes Prompting ist – also der KI klar vorzugeben, in welcher Rolle sie agieren und welche Aufgabe sie erfüllen soll. Bilder, Dokumente, Internetrecherchen und Promptvorlagen lassen sich kombinieren, Assistenten flexibel wechseln. Die Kursteilnehmerinnen und -teilnehmer hatten die Möglichkeit, direkt am eigenen Laptop individuelle Anwendungsszenarien zu testen und sich so von der Praxistauglichkeit der KI-Lösung zu überzeugen. Das Power-up-Paket von AnyGuard Dental, erhältlich über Dentronik, enthält zusätzliche Assistenten und Wissensdatenbanken. Diese reichen von Strategie und Finanzen über Organisation und Prozesse bis hin zu Team und Personal sowie Kommunikation und Aussenwirkung.

Dr. Thomas Müller und Dr. Felix Gamper führten durch den Nachmittag.
Hands-on in Gruppen
Der Workshop war praxisnah aufgebaut: In Kleingruppen konnten die Teilnehmenden jeweils 30 Minuten lang unterschiedliche Szenarien erleben. Eine Gruppe arbeitete direkt in AnyGuard und testete die vielfältigen Modifikations- und Assistenzmöglichkeiten. Alle im Abonnement verfügbaren KI-Assistenten waren zum Test freigeschaltet. Die Entwicklung von AnyGuard erfolgt in enger Zusammenarbeit mit Zahnarztpraxen und ist dadurch nah an der realen Praxissituation ausgerichtet.
Eine zweite Gruppe wechselte in die voll ausgestattete Zahnarztpraxis mit Primescan-2-Scanner gleich nebenan. Die dritte Gruppe widmete sich den AR-Brillen und deren Einsatzmöglichkeiten – etwa bei Live-Transkriptionen, Bild- und Videoaufnahmen oder der Materialverwaltung.
Materialwirtschaft neu gedacht
Als (kleine) Weltneuheit wurde der Einsatz der AR-Brille im Praxisbetrieb vorgestellt. Dokumentationen können direkt per Spracheingabe erfolgen, Röntgenaufnahmen und Scans lassen sich über Augen- und Gestensteuerung auslösen, und die Materialwirtschaft kann direkt am Ort des Verbrauchs angestossen werden.
Von Dentolution wurde zudem eine Bestell-Applikation präsentiert, die die Bestell- und Dokumentationsprozesse in der Praxis vereinfachen soll. Herstellerneutrale Materialbestellung, transparente Lagerverwaltung, automatisierte Verbuchungen und die Anbindung an das Zahnimplantateregister gehören zum Leistungsspektrum. Ziel ist es, jederzeit zu wissen, welche Materialien verfügbar sind – ein Punkt, der in vielen Praxen bislang nur unzureichend transparent ist. Schnittstellen zu Systemen wie Denteo, ergodent oder ZA Win sind cloudbasiert bereits vorhanden.

So kann der Einsatz der AR-Brille in der Praxis aussehen.
Fazit
Der Workshop zeigte eindrücklich, dass Künstliche Intelligenz in der Zahnmedizin kein Zukunftsversprechen mehr ist, sondern bereits heute konkrete Entlastung bieten kann – vorausgesetzt, Datenschutz, Praxisnähe und das Prinzip «Human in the Loop» bleiben gewährleistet. Die Verantwortung für medizinische Entscheidungen bleibt beim Menschen, die Systeme dienen – richtig eingesetzt – als intelligente Assistenz.
Eine abschliessende Zusammenfassung der Kursinhalte half den Teilnehmenden, die gewonnenen Eindrücke nochmals zu reflektieren – und den Blick weiter in Richtung vernetzte Zahnarztpraxis der Zukunft zu öffnen: eine Zukunft mit Künstlicher Intelligenz, modernsten Intraoralscannern und Augmented Reality.