50 Jahre Swiss Dental Hygienists
50 Jahre Engagement für orale Gesundheit in der Schweiz - das musste gefeiert werden. Unter dem Motto «Proud Past – Bright Future» verband der Swiss Oral Health Day fachliche Weiterbildung mit einem Rückblick auf die Geschichte des Berufsstandes und einem klaren Blick in die Zukunft. Rund 500 Teilnehmende sowie knapp 50 ausstellende Unternehmen machten den Jubiläumskongress im November zu einem lebendigen Treffpunkt für Austausch, Inspiration und Vernetzung.

Die Eröffnung in der Valiant-Lounge des BSC Young Boys übernahm die scheidende Zentralpräsidentin Conny Schwiete. Sie würdigte die Entwicklung von einer kleinen Gruppe engagierter Pionierinnen im Jahr 1975 zu einem professionell etablierten Berufsverband mit heute über 2’500 Mitgliedern. Dentalhygienikerinnen hätten massgeblich dazu beigetragen, Prävention als tragende Säule der Zahnmedizin zu verankern – mit fachlicher Kompetenz, Herzblut und einem ausgeprägten Teamgedanken. Der Kongress sei nicht nur ein Anlass zum Feiern, sondern auch eine Einladung, Gegenwart und Zukunft aktiv mitzugestalten.
Im Anschluss richtete Prof. Dr. Peter Saxer, einer der Pioniere der Dentalhygiene in der Schweiz, das Wort an das Publikum. Er eröffnete 1998 das Prophylaxe Zentrum Zürich Nord (PZZ) und blickte auf die Errungenschaften der vergangenen fünf Jahrzehnte zurück. Dabei betonte er die zunehmende Bedeutung präventiver Ansätze. Moderne Technologien, darunter die künstliche Intelligenz, ermöglichen heute eine immer frühere Erkennung von Karies und Parodontalerkrankungen. Gleichzeitig unterstrich er die zentrale Rolle der Dentalhygienikerinnen in der Prävention systemischer Erkrankungen – insbesondere durch frühzeitige Aufklärung und Betreuung junger Patientinnen und Patienten.

Bernita Bush Gissler, RDH, BS blickte auf die vergangenen 50 Jahre zurück.
Von 1975 bis 2025
Einen fundierten Überblick über die historische Entwicklung des Berufs gab Bernita Bush Gissler, RDH, BS, in ihrem Referat «Dentalhygiene in der Schweiz – 50 Jahre Präzision und Pflege». Sie
zeichnete die Meilensteine von den ersten staatlich geprüften Absolventinnen bis zur heutigen Verbandsstruktur nach. Was 1975 mit 18 Gründungsmitgliedern begann, entwickelte sich zu einem Verband mit sieben Sektionen, Qualitätsmanagement, intensiver Bildungsarbeit, Öffentlichkeitsarbeit sowie einer starken Präsenz in Fachmedien und sozialen Netzwerken.
1975 wurde der Schweizer Dentalhygienikerinnenverband SDHV ASHD gegründet. In den Anfangsjahren standen Stellenvermittlung, Rechtsberatung, Weiterbildung sowie die Vertretung gegenüber Behörden, Politik und Berufsverbänden im Fokus. 2001 erfolgte die Umbenennung in Swiss Dental Hygienists. Bereits ein Jahr später nahm der Verband am Kongress der International Federation of Dental Hygienists (IFDH) in Sydney teil. 2016 waren die Swiss Dental Hygienists selbst Gastgeber des International Symposium on Dental Hygiene (ISDH) in Basel.
Ein weiterer Meilenstein war 1996 die erstmalige Möglichkeit zur Selbstständigkeit für Dentalhygienikerinnen im Kanton Neuenburg. Bis 2007 hatten sich rund 41 DHs in zwölf Kantonen selbstständig gemacht. Heute gibt es etwa 60 selbständige DH-Praxen in allen Kantonen der Schweiz.
Bernita Bush Gissler hob besonders die Bedeutung der Wissenschaft hervor: Die kontinuierliche Auseinandersetzung mit aktueller Literatur sei Grundlage für Qualitätsstandards und berufliche Weiterentwicklung. «Wir werden unsere Patientinnen und Patienten weiterhin mit Präzision behandeln und individuell betreuen, wenn wir professionell mit Fingerspitzengefühl arbeiten. Wir lieben unseren Beruf und üben ihn mit Empathie, Gründlichkeit und Ethik aus», betonte sie.
Gamechanger für die Dentalhygiene?
Mit Blick auf die klinische Praxis stellte Dr. Thomas Liechti das Clean-&-Seal-Konzept vor und diskutierte dessen Potenzial als Gamechanger für Dentalhygienikerinnen. Anhand eindrücklicher Fallbeispiele zeigte er, dass auch fortgeschrittene Parodontitis- und Periimplantitis-Fälle nicht-chirurgisch erfolgreich behandelt werden können. Die Möglichkeit, diese Therapie direkt in der Dentalhygiene anzuwenden, eröffnet neue Perspektiven für die interprofessionelle Zusammenarbeit und die Weiterentwicklung der Parodontaltherapie.

Die SSP überraschte mit einem ganz besonderen Geschenk - 50% für Mitglieder der Swiss Dental Hygienists beim SSP-Kongress am 10./11. September 2026 in Lausanne.
"Das Leben kommt ohne GPS"
Einen bewusst anderen, aber nicht weniger relevanten Zugang zur Zukunft wählte Dr. med. Esther Pauchard, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie. In ihrem Vortrag zur «Timeline» thematisierte sie den Umgang mit Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft – beruflich wie privat. «Wir wollen immer alles im Griff haben und auf die Zukunft vorbereitet sein. Aber das Leben kommt ohne GPS – egal wie engagiert und tüchtig man ist, man weiss nie, was kommt», stellte sie einleitend fest. Improvisation und Flexibilität seien deshalb zentrale Fähigkeiten. «Loslassen klingt nicht attraktiv, aber es ist notwendig, um weitergehen zu können.»
Persönliches und berufliches Wachstum entstehe erst dann, wenn man durchgerüttelt werde und etwas in Bewegung komme. Im warmen Sand eines Strandurlaubs passiere in der Regel wenig Entwicklung. Wer dies erkenne, verändere auch den Blick auf das eigene Leben. Wichtige Helfer, um auch in unsicheren Zeiten handlungsfähig und resilient zu bleiben, seien Dankbarkeit, Genuss und Humor. Das Leben gleiche einem Seiltanz mit immer wiederkehrenden Störungen. «Nehmen Sie sich ernst, verlassen Sie die Komfortzone, um eine vielfältige Zukunft auf dem Seil zu haben», ermutigte sie abschliessend.
Praxisnahe Zukunftsthemen
Nach der Mittagspause, die mit der Delegiertenversammlung und einem gemeinsamen Essen mit Blick auf das Spielfeld des Wankdorf-Stadions verbunden war, rückten praxisnahe Zukunftsthemen in den Fokus. Remco Livain, CEO von GANDT Ventures, zeigte auf, welche Chancen und Risiken Social Media für Zahnarztpraxen bergen. Nicht jede Praxis müsse auf allen Plattformen präsent sein – entscheidend sei eine durchdachte digitale Visitenkarte. Unterschiedliche Generationen hätten unterschiedliche Erwartungen: von vertrauensbildenden Informationen bis hin zu dialogorientierten, videobasierten Formaten. Die Generation Z suche primär auf TikTok oder YouTube. Die ernüchternde Erkenntnis: Praxen, die auf Social Media nicht präsent sind, existieren für die Gen Z kaum.
Während 87 % der Generation X (1965–1980) klassische Suchmaschinen für Informationen wie Öffnungszeiten oder Leistungen nutzen, starten Millennials ebenfalls über Suchmaschinen, greifen jedoch zu 48 % sehr häufig auf Social Media zurück. Sie sind stärker familienorientiert und lösungsfokussiert. Livain mahnte zur realistischen Einschätzung von Ressourcenbindung und dem Umgang mit Kritik auf Social Media. Datenschutz und Schweigepflicht seien essenziell – Inhalte dürften ohne Zustimmung nicht verwendet werden, auch nicht auf der Tonspur. Zudem steigen die Erwartungen an Reaktionsgeschwindigkeit und der Konkurrenzdruck nimmt zu.

Das Interesse an den Ausstellerständen war beeindruckend.
Wie sieht das rechtlich aus?
Die rechtlichen Rahmenbedingungen beleuchtete Rechtsanwältin Agatha Wierzbanowski, in den sozialen Medien bekannt als Agi Wee. In ihrem Online-Vortrag machte sie deutlich, dass Datenschutz, Schweigepflicht, Urheberrecht und standesrechtliche Vorgaben klare Grenzen setzen. Live-Formate und Vorher-Nachher-Darstellungen seien im Gesundheitswesen besonders heikel und nur mit schriftlicher Einwilligung zulässig – und auch dann ausschliesslich sachlich, ohne Werbung oder Überhöhung.
Stattdessen empfahl sie überprüfbare Inhalte, Aufklärung und authentische Einblicke in den Praxisalltag, stets mit Fokus auf Kommunikation statt Werbung. Die Grenze verlaufe dort, wo Information beginne, Erwartungen zu wecken oder Leistungen anpreisend darzustellen. Möglich und sinnvoll seien hingegen vorproduzierte Videos, Animationsformate oder Behind-the-Scenes-Clips. «Social Media ist kein juristisches Risiko, wenn man die Spielregeln kennt – sondern eine echte Chance, Kompetenz und Vertrauen sichtbar zu machen», schloss sie ihren Vortrag.
Einen Blick auf das grosse Ganze warf Loïc Schülé von der Denteo AG. Er zeigte, dass künstliche Intelligenz nicht nur bei Diagnostik und Bildanalyse, sondern auch im Terminmanagement, in der Dokumentation und bei administrativen Prozessen unterstützen kann. Ziel sei es, repetitive Aufgaben zu reduzieren, Effizienz zu steigern und dadurch mehr Zeit für die Patientinnen und Patienten zu gewinnen.

Antonella Tepedino ist die neue Zentralpräsidentin.
Blick zurück und nach vorne
Ein emotionaler Moment des Kongresses war die Verabschiedung von Conny Schwiete. Nach neun Jahren als Zentralpräsidentin wurde sie mit grossem Dank für ihr Engagement verabschiedet. Einstimmig zur neuen Zentralpräsidentin gewählt wurde Antonella Tepedino, die betonte: «Zusammen können wir Grosses bewegen.» Barbara Topic ergänzt neu den fünfköpfigen Zentralvorstand.
Den feierlichen Abschluss bildete ein Apéro Riche in der Ausstellung, bei dem auf 50 Jahre Swiss Dental Hygienists angestossen wurde.
Der Jubiläumskongress zeigte eindrucksvoll, wie stark der Berufsstand gewachsen ist – fachlich, strukturell und gesellschaftlich. Mit einem klaren Bekenntnis zu Prävention, Wissenschaft und Innovation blicken die Dentalhygienikerinnen selbstbewusst in eine Zukunft, die sie aktiv mitgestalten wollen.