Radiologie im Fokus der Dentalhygiene
Röntgenbilder können Hinweise liefern, die bei der klinischen Untersuchung verborgen bleiben. Doch was ist für dipl. DentalhygienikerInnen HF, Professional Bachelor besonders wichtig, wo drohen Fehlinterpretationen und welche Kompetenzen sind gefragt? Der Swiss Oral Health Day am 13. November 2026 in Bern widmet sich unter dem Motto «Radiology – Hidden Truths» der dentalen Bildgebung – mit praxisnahen Referaten und einer grossen Dentalausstellung.

Röntgenaufnahmen gehören in vielen Zahnarztpraxen zur täglichen Arbeit. Für dipl. DentalhygienikerInnen ist dabei nicht allein die technische Qualität entscheidend: Es gilt, Veränderungen wahrzunehmen, mögliche Ursachen einzuordnen und Auffälligkeiten im Behandlungsteam anzusprechen. Gerade weil sich hinter scheinbar unspektakulären Bildern wichtige Hinweise verbergen können, braucht es einen geschulten Blick und Sicherheit im Umgang mit der Bildgebung.
Diesen Anspruch greift auch Antonella Tepedino, Zentralpräsidentin von Swiss Dental Hygienists, in ihrem Editorial zum Kongressprogramm auf: «Kontinuierliche Weiterbildung im Bereich der dentalen Radiologie festigt unsere fachliche Kompetenz», schreibt sie. Die Veranstaltung setzt diesen Gedanken in ein Programm um, das sich gezielt an dipl. DentalhygienikerInnen HF, Professional Bachelor richtet und Fragen aus deren Berufsalltag in den Vordergrund stellt.
Zwischen Entdecken und Einordnen
Wie viel lässt sich aus einer Röntgenaufnahme herauslesen? Prof. Dr. med. dent. Michael Bornstein eröffnet den Kongress mit «Was das Auge nicht sieht – das Röntgen schon». Er zeigt, wie DHs versteckte Karies, Knochenabbau und andere unauffällige Befunde frühzeitig erkennen können. Damit beginnt das Programm bei einer zentralen Aufgabe der Dentalhygiene: Veränderungen zu bemerken, bevor sie klinisch deutlich sichtbar werden. Dass zahnmedizinische Bilder auch ausserhalb der klassischen Diagnostik eine Rolle spielen, zeigt Dr. med. dent. Bernhard Knell. Unter dem Titel «Schatten, die Geschichten erzählen» führt er in die Forensik der Zahnmedizin ein. Sein Beitrag erweitert den Blick auf die Aussagekraft dentaler Befunde und bringt eine etwas andere Perspektive ins Kongressprogramm
PD Dr. med. dent. Dorothea Dagassan beschäftigt sich in «Nicht jeder Schatten ist ein Problem» mit Artefakten, Überlagerungen und anatomischen Strukturen. Ihr Referat soll helfen, typische Stolpersteine bei der Betrachtung von Röntgenbildern zu verstehen und Befunde, die leicht übersehen werden, besser zu identifizieren.
Strahlenschutz und Kompetenzen
Zur diagnostischen Sicherheit gehört ebenso der bewusste Umgang mit Strahlung. Antonella Tepedino erinnert in ihrem Editorial an den Grundsatz «so viel wie nötig, so wenig wie möglich». Wie sich dieser Anspruch im Praxisalltag umsetzen lässt, beleuchten zwei Vorträge: Dorothea Dagassan erläutert die Sicht der Schweizerischen Gesellschaft für dentomaxillofaziale Radiologie (SGDMFR) auf Patientenschutzmittel. Unter dem Titel «Strahlen mit Verstand» geht PD Dr. Lydia Vazquez auf Strahlenschutz, Indikationsstellung und den verantwortungsvollen Einsatz von Dentalröntgen ein.
Den direkten Bezug zum Berufsbild stellt Dipl. DH HF, Professional Bachelor Céline Egli her. Ihr Vortrag «Mehr als nur ein Knopf drücken» fragt danach, welche Kompetenzen DHs bei der Aufnahme, der Qualität und der Interpretation von Röntgenbildern haben. Damit rückt ein Thema ins Zentrum, das weit über die Bedienung eines Geräts hinausgeht: Wie tragen Fachwissen, sorgfältige Abläufe und klare Zuständigkeiten dazu bei, radiologische Informationen sinnvoll im Praxisalltag zu nutzen?
Begegnungen in der Dentalausstellung
Zum Swiss Oral Health Day gehört nicht nur das Vortragsprogramm. Eine umfangreiche Dentalausstellung ergänzt den Kongress: In der Ausstellerliste sind mehr als 40 Unternehmen aufgeführt. Sie bieten den Teilnehmenden Gelegenheit, Produkte und Lösungen für den Praxisalltag kennenzulernen, Fragen direkt mit den Anbietern zu besprechen und sich über Entwicklungen in der Dentalbranche zu informieren.
Für Gespräche mit Berufskolleg-Innen bleibt ebenfalls Zeit. Das Programm sieht mehrere längere Pausen vor – Raum für Erfahrungsaustausch, neue Kontakte und den Besuch der Stände. So wird der Fortbildungstag erneut zu einem beliebten Treffpunkt für DentalhygienikerInnen aus allen Regionen der Schweiz.
Der Kongress auf einen Blick
Der Swiss Oral Health Day findet am Freitag, 13. November 2026, in der Bernexpo statt. Er umfasst sieben Weiterbildungsstunden und entspricht den vom Bundesamt für Gesundheit geforderten viermal 45 Minuten Strahlenschutz-Fortbildung. Die Vorträge werden simultan auf Deutsch und Französisch übersetzt.