30. Jan. 2020

Wie motiviert sind Ihre Mitarbeiter?

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ZZS

Egal, mit welchen Führungskräften ich mich unterhalte, Mitarbeitermotivation ist immer ein Thema. Alle wünschen sich motivierte Mitarbeiter, doch kürzliche Studien haben ergeben, dass angeblich rund 70 % aller Arbeitskräfte in der Schweiz demotiviert und folglich unproduktiv sind. So werden Sie hoffen, dass in Ihrer Praxis die restlichen 30 % arbeiten!?

Raus aus der Krise
Meine Freundin, Unternehmerin mit Herzblut, arbeitet leider nicht mit diesen 30 %. Ihr Team befindet sich in einem kritischen Marktumfeld und seit längerem in Krisenstimmung. Es ist schwieriger geworden, Kunden zu halten und neue zu gewinnen. Ihre Teamgrösse ist vergleichbar mit einem Praxisteam: Persönlich und überschaubar mit acht Mitarbeitenden. Sie kennt ihr Team lange und gut, alles nette Leute.
In guten Zeiten herrschte Spass, Freude und ein lockeres Betriebsklima. Seit das Wirtschaftsklima herausfordernd ist, ist auch ihre Führungsaufgabe zunehmend herausfordernder geworden.
Doch meine Freundin ist Optimistin und verfügt über einwandfreie Führungskompetenzen. Sie kennt sich aus mit Motivation und unternimmt alles Erdenkliche, damit sich ihre Mitarbeitenden wohl fühlen: Sie veranstaltet Team-Events, lädt ein zum Feierabend-Drink, bringt Pausen-snacks und überrascht mit Komplimenten, Lob und Geschenken, hat immer ein offenes Ohr und Open Doors und lässt auch kleine Erfolge feiern. Vorbildlich.
Schwieriges Umfeld?
Das Resultat: Jede Woche am Team-Meeting sitzt sie vor acht hängenden Köpfen, alle bewaffnet mit Block und Kugelschreiber, bereit zu hören, was die Chefin zu erzählen hat. Wenn sie fürsorglich nach ihrer Befindlichkeit gefragt werden, klagt einer nach dem anderen fleissig über die misslichen Umstände, die Schwierigkeiten mit den Kunden und Einzelne schweigen resignierend vor sich hin. Die Chefin zeigt Verständnis und erhöht ihre Motivationsanstrengungen, das Umfeld ist wirklich nicht einfach.

Keine hängenden Köpfe
Bis zu dem Tag, als sie keine Lust und Kraft mehr hatte, ihr Team ständig mit extrinsischen Motivationshäppchen zu füttern. Sie forderte die acht hängenden Köpfe auf: «Nehmt bitte euren Kugelschreiber und klemmt diesen unter das Kinn». Alle führten die Anweisung verdutzt aus und plötzlich sassen sie mit erhobenen Köpfen da. Sie stellte ihnen eine einzige Frage und erbat Antwort an der nächsten Sitzung. Die Frage lautete: «Was motiviert jeden Einzelnen, tagtäglich aufzustehen und zur Arbeit zu kommen?»
Falls die Antwort «Nichts» lauten sollte, dann soll sich der- oder diejenige frei fühlen, eine andere Aufgabe zu suchen. Niemand sei gezwungen, jeden Tag mit hängendem Kopf zur Arbeit zu kommen. Das hat gesessen. An der nächsten Sitzung waren die hängenden Köpfe verschwunden und Jeder war sich seiner eigenen inneren Motivation bewusst, was die Führungsaufgabe der Leiterin nun um einiges erleichterte.

Die richtige Motivation als Schlüssel zum Erfolg
In diesem Bespiel wird intrinsische und extrinsische Motivation sehr gut sichtbar. Wenn jemand intrinsisch motiviert ist, macht seine Arbeit für ihn Sinn und bereitet Freude. Wenn jemand nur extrinsisch motiviert ist, führt er die Arbeit nur gut aus, wenn er etwas dafür bekommt. Beide Formen können nebeneinander existieren. Wenn eine Mitarbeitende am Ende des Jahres für überdurchschnittliche Leistungen eine Belohnung erhält, dann ist das solange vertretbar, als kein Korrumpierungseffekt eintritt, d. h. dass eine extrinsische Motivation die intrinsische Motivation negativ beeinflusst, was oft der Fall ist, je grösser die Belohnungen ausfallen.
Überlegen Sie, wie ausgewogen Ihr Motivations-Futter ist und was in Ihrer Praxis vorherrscht: Zuviel füttern verdirbt den Hunger, zu viel Hunger aber verdirbt die Lust und weckt die Gier. Auch hier ist das richtige Mass entscheidend.

BB SELFMANAGEMENT
Barbara Brezovar Capobianco
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