16. Nov. 2022

Professionelles mechanisches Biofilmmanagement

Tapti

Die Anwendung von Prophylaxe-Pulvern im Bereich der professionellen mechanischen Plaquereduktion (PMPR), insbesondere die Luft-Pulver-Wasserstrahl- (LPW) Anwendung im Rahmen der unterstützenden Parodontaltherapie (UPT), gehört zum Ablauf einer modernen professionell organisierten Dentalhygiene-Stunde ebenso wie die Ultraschalleinheit.
Die eigene Erfahrung als Praxiscoach und Referentin im Bereich Prophylaxe und parodontale Erhaltungstherapie zeigt, dass in vielen Praxen noch Optimierungspotenzial im Workflow der professionell organisierten Prophylaxe-Stunde besteht. Vielen Prophylaxe-Expertinnen ist zwar bewusst, wie wichtig substanzschonende und atraumatische Reinigungsmassnahmen in einer insgesamt alternden Gesellschaft sind. Es herrscht jedoch oftmals Unklarheit hinsichtlich der bedarfsorientierten Material- und Instrumentenauswahl, der richtigen Anwendung der Luft-Pulver-Wasserstrahl-Geräte, der Notwendigkeit, bestimmte Protokolle einzuhalten etc.

Die gute Nachricht
Mit dem richtigen Equipment, entsprechendem Know-how und einem Update der Prophylaxe-Abläufe lassen sich schonend sowie sehr effizient langfristig gute Ergebnisse erzielen. Gut ausgebildetes, motiviertes Fachpersonal, echtes Teamwork zwischen Zahnärzten und Prophylaxe-Teams sowie eine moderne Ausstattung sind der Schlüssel zum Erfolg. Damit mittels Luft-Pulver-Wasserstrahl-Technik und Ultraschalleinheit die gewünschten Ergebnisse erzielt werden, sind vor allem folgende Aspekte wichtig:

  • Geräteauswahl
  • Pulverstrahltechnik – Wahl des Strahlmittels
  • Pulverstrahltechnik – klinische Anwendung
  • Ultraschall – Instrumentenauswahl
  • Ultraschall – klinische Anwendung.

Geräteauswahl
Bei der Auswahl des Pulverstrahlgerätes sind vor allem zwei Aspekte entscheidend: die Anzahl an Pulverkammern und das Design des Handstücks. Idealerweise stehen zwei Pulverkammern zur Verfügung, damit während der Behandlung flexibel zwischen zwei Strahlmitteln (Prophy- und Perio-Pulver) gewechselt werden kann. Das Handstück sollte schlank sein und leicht in der Hand liegen sowie unter der Anwendung eine gute Sicht auf die zu reinigenden Oberfläche ermöglichen.
All diese Anforderungen erfüllt das 2-in-1-Gerät COMBI touch von mectron: Es ist mit zwei Pulverkammern und neu designten Handstücken ausgestattet, die ein ergonomisches Arbeiten sehr gut ermöglichen. Je nach Anwendung sind zwei Bestrahlungsmodi wählbar: «Prophy» mit 3,5 bar Druck für die supragingivale Anwendung und «Perio» mit 2,7 bar Druck für die subgingivale Anwendung – einfach eingestellt per Touch.

COMBI touch verfügt ausserdem über eine leistungsfähige Ultraschalleinheit für die atraumatische supra- und subgingivale Konkremententfernung. Das schlanke und leichte LED-Ultraschallhandstück lässt sich sehr gut führen; für exzellente Sichtbarkeit im Molarenbereich sorgt ein zirkuläres Licht. Die Einheit arbeitet nach dem piezokeramischen Prinzip, bei dem die Bewegung monoaxial erfolgt. Das ermöglicht Anwendern ein sehr präzises Arbeiten und ist für Patienten angenehm, da ihnen hämmernde Bewegungen erspart bleiben.
Eines der wichtigsten Argumente für die Ultraschalleinheit des COMBI touch ist jedoch ihr SOFT MODE: Dieser verringert die Amplitude der Ultraschallschwingungen, sodass Konkremente besonders sanft, aber dennoch effektiv entfernt werden (Abb. 1 und 2).

1) COMBI touch: Pulverstrahlgerät und Ultraschalleinheit in einem.

2) Ultraschall-Handstück mit zirkulär integrierten LEDs für optimale Sichtbarkeit im Seitenzahnbereich.

Pulverstrahltechnik: Strahlmittel
Für die Pulverstrahltechnik stehen verschiedene Prophylaxepulver zur Verfügung. Dazu gehören ausschliesslich für die supragingivale Anwendung freigegebene Pulver auf Natriumbicarbonat-Basis. Ein Pulver, das auch für die subgingivale Anwendung entwickelt wurde, ist glycinbasiertes Prophylaxepulver. Glycin ist eine natürlich vorkommende Aminosäure, die hoch wasserlöslich ist und in Proteinen im menschlichen Körper vorkommt. Darüber hinaus werden inzwischen verschiedene Pulver auf Basis von Zuckeraustauschstoffen (Erythritol, Threhalose und Tatagose) offeriert.
Die eigene Erfahrung zeigt, dass zwei dieser Prophylaxepulver ausreichen, um alle Indikationen abzudecken: Ein niedrig-abrasives Pulver wird für die Entfernung des nicht-mineralisierten Biofilms im supra- und subgingivalen Bereich benötigt. Besonders geeignet erscheint hierfür glycinbasiertes Pulver (prophylaxis powder sensitive, mectron) mit einer durchschnittlichen Partikelgrösse von 25 µm. Dieses wurde in zahlreichen Studien untersucht und zeigt den veröffentlichten Ergebnissen zufolge ein vorteilhaftes Verhalten auf allen Oberflächen (Schmelz, Dentin und Weichgewebe).1-6
Im neuen COMBI touch eingesetzt, ermöglicht es sogar das mühelose Ablösen der meisten Verfärbungen. Hinzu kommt in einigen Fällen mit hartnäckigen Verfärbungen ein abrasiveres Pulver auf Basis von Natriumbicarbonat (prophylaxis powder soft von mectron) mit einer durchschnittlichen Partikelgrösse von 40 µm. Dieses wird ausschliesslich auf Schmelz angewendet (Abb. 3).

3) Prophylaxepulver der Wahl: Glycinbasiertes und Natriumbicarbonat-Pulver.

Pulverstrahltechnik: Klinische Anwendungstipps
Je nach eingesetztem Pulver und Anwendung (supra- versus subgingival) sollten der Druck, die Bestrahlungszeit und der Arbeitswinkel unterschiedlich gewählt werden.

Für die supragingivale Reinigung mit Glycin-Pulver gilt (Abb. 4):
Perio-Modus mit 2,7 bar Druck, Abstand von 4 – 5 mm, Arbeitswinkel rund 45 Grad (vom Zahnfleischsaum weggerichtet).

Für die subgingivale Reinigung mit Glycin-Pulver ist Folgendes zu empfehlen (Abb. 5): Perio-Modus mit 2,7 bar Druck, die Verwendung des Spraykopfs
PERIO bei Taschentiefen von mehr als 5 mm, Abstand von 4 – 5 mm, Arbeitswinkel 30 – 60 Grad (zum Sulkus gerichtet), Bestrahlungszeit maximal 5 Sekunden, kreisende Bewegungen.

5) Subgingivale Anwendung von prophylaxis powder sensitive.

Für die supragingivale Entfernung von Verfärbungen mit Natriumbicarbonat-Pulver gilt (Abb. 6):
Anwendung ausschliesslich auf Schmelz, Prophy-Modus mit 3,5 bar Druck, Abstand von 4-5 mm, Arbeitswinkel rund 45 Grad (vom Zahnfleischsaum weggerichtet).


6) Entfernung hartnäckiger Verfärbungen mit prophylaxis powder soft.

Für einen gleichmässigen Pulverausstoss ist vor jeder Behandlung sicherzustellen, dass die Pulverkammern einen hohen Füllstand aufweisen. Aufgrund der Möglichkeit, flexibel zwischen den Pulvern hin und her zu wechseln, ist die Reihenfolge nicht festgelegt. Es empfiehlt sich jedoch nach eigenen Erfahrungen, mit dem glycinbasierten Pulver supragingival zu starten, um den nicht-mineralisierten Biofilm sowie leichte Verfärbungen zu entfernen. Es folgt die subgingivale Reinigung; bei Patienten mit einer starken Blutungsneigung oder Entzündungsanzeichen ist hierbei zunächst selektiv vorzugehen (Kontraindikationen beachten). Im Anschluss lassen sich hartnäckige Verfärbungen auf Schmelz mit dem Natriumbicarbonat-Pulver beseitigen. Bei Patienten mit guter Mundhygiene, die regelmässig zum Recall erscheinen, ist diese letzte Massnahme ausschliesslich in der initialen Behandlungssitzung erforderlich.

Ultraschall – Instrumentenauswahl und Anwendung
Bei der Ultraschall-Einheit hat sich das Arbeiten im SOFT MODE bewährt. Für die grossflächige Entfernung von Zahnstein und subgingivalen Konkrementen eignet sich das universelle Instrument S1-S besonders gut, das über eine schmale, längere Arbeitsspitze mit abgerundeter Oberfläche verfügt. Es wird im SOFT MODE auf Stufe 1 bis 2 eingesetzt. Für das Scaling allein sind die Instrumente S1-S sowie S2 und S3 (Stufe 1 bis 6) zu empfehlen, für die parodontale Erhaltungstherapie die Instrumente P10 bis P14, eingestellt auf Stufe 1 bis 2 (Abb. 7).
Mein persönlicher Favorit für die parodontale Behandlung ist das Instrument P3.
Die Perio-Spitzen sind extra lang, schlank und glatt für ein atraumatisches Treatment, während bei den reinen Scaling-Instrumenten die Spitze breiter ist für eine höhere Kraftübertragung.
In jedem Fall lohnt es sich, die Original-Instrumente von mectron zu verwenden: diese rasten hörbar auf dem Handstück ein und Anwender können sich der optimalen Leistungsübertragung (soft mode) sicher sein. Stimmen Instrumente, Leistungseinstellung und Anlagewinkel, so spüren Patienten erfahrungsgemäss kaum etwas von der Behandlung.
Handinstrumente kommen ergänzend und meist ausschliesslich für eine leichte Wurzelglättung zum Einsatz (Delegationsrahmen beachten).
 


7) Ultraschall-Scaling mit dem universellen Instrument S1-S mit langer, schmaler Arbeitsspitze.

Pulverstrahl und Ultraschall
Pulverstrahltechnik und Ultraschalleinheit sind eine echte Bereicherung für jede Zahnarztpraxis. Entscheidend für ihren erfolgreichen Einsatz ist jedoch nicht nur die korrekte Anwendung, sondern auch ihre Integration in einen auf die Bedürfnisse des Patienten abgestimmten Behandlungsablauf. Wichtige Bestandteile der Prophylaxe-Sitzung sind stets:

  • Erstellung eines Risikoprofils mit Aufnahme des Paro-Status (Sechs-Punkt-Messung empfohlen, BOP)
  • Anfärben der Plaque im Sinne der kontrollierten, vollständigen Plaque-Entfernung (Abb. 8)
  • Systematische Reinigung mit dem Pulverstrahlgerät
  • Konkremententfernung mit Ultraschall
  • Wurzelglättung mit Handinstrumenten
  • Politur (nur nach Natriumbicarbonat-Anwendung erforderlich) (Abb. 9)
  • Abschliessende Fluoridierung, bevorzugt mit 3M Clinpro White Varnish.
     


8) Stets empfehlenswert: Das Anfärben der Plaque für eine kontrollierte Plaqueentfernung.


9) Eine Politur ist nur nach Natriumbicarbonat-Anwendung erforderlich, kann auch mit sehr feiner Polierpaste und weichem Gummikelch durchgeführt werden.

Speziell die Pulverstrahl-Technik ist sehr effizient, schonend und gründlich. Allerdings ist es nicht empfehlenswert, weniger Zeit für die Behandlung einzurechnen: Besser wird diese in eine umfassende Befundaufnahme und Risikoprofil-Erfassung sowie Kommunikation zur Motivation und Imagepflege investiert. Für Letztere lässt sich das COMBI touch als High-Tech-Komponente in Szene setzen.

Fazit
Der Einsatz des COMBI touch ermöglicht eine atraumatische und gleichzeitig sehr gründliche professionelle mechanische Plaquereduktion bei Patienten mit unterschiedlichsten Bedürfnissen. Die Vorgehensweise wird von den meisten Patienten als angenehm empfunden – selbst schmerzempfindlichen Menschen bereiten Pulverstrahl und Ultraschall-Scaler bei korrekter Anwendung keine Probleme. Weiter erhöhen lässt sich ihr Komfort durch Hilfsmittel wie Sheabutter und Prophylaxetuch, die neben der obligatorischen Schutzbrille eine Wohlfühl-Atmosphäre schaffen. Integriert in eine moderne, zeitgemässe Prophylaxe-Behandlung tragen Pulverstrahl- und Ultraschall-Technik ganz klar dazu bei, die Mundgesundheit unserer Patienten langfristig zu erhalten oder wiederherzustellen.

Literatur auf Anfrage beim Verlag.

shop.mectron.ch

Kontakt:


Gülistan Tapti
guelistan_tapti@icloud.com
Mobil: +49 170 205538 4