22. Feb. 2017

Brave Mädchen kommen in den Himmel – böse ins Praxisteam!

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ZZS
…so könnte man meinen, wenn ich die Klagen von Zahnärzten jeweils höre – Leser dieser Kolumne ausgenommen. Was hat es nun mit diesen reinen Frauenteams auf sich? Begriffe wie Zickenalarm, Hyänenrudel, Bienenstock und Weiberhaufen werden als Synonyme für weibliche Teams verwendet. Offenbar geht es in einigen Teams nicht immer ganz harmonisch zu. Dabei wird gerade Frauen Harmoniesucht nachgesagt. 
Jeannine ist so eine. Jeannine kümmert sich, unaufgefordert. Wenn jemand ausfällt, ist Jeannine zur Stelle. Jeannine ist immer die Letzte, die geht, die anderen gehen schon früher. Harmonie und Pflichtbewusstsein über alles. Kennen Sie auch solch eine Jeannine? Eine Jeannine im Team zu haben ist ein Glücksfall. Nur für Jeannine ist es kein Glücksfall, denn sie denkt sich, wie schön es doch wäre, wenn jemand ihre Arbeit wenigstens sehen würde, wenn ihr jemand doch ein wenig helfen würde, wenn sie sich nicht um alles selber kümmern müsste. Sie denkt, aber sie sagt nichts. 
Ist das gerecht?
Im selben Team arbeitet Sandra. Sie hat denselben Job wie Jeannine. Sandra ist nie die Letzte. Sandra macht keine Überstunden, Sandra meldet sich selten freiwillig. Sandra nimmt sich ihre Freitage, auch wenn sich hinterrücks alle darüber aufregen. Solange ihr das niemand sagt, ist es nicht ihr Problem. 
Sandra ist im Gegensatz zu Jeannine zufrieden. Auch ihre Chefin ist mit ihr zufrieden, sie macht einen guten Job. Nur ihr Team ist nicht ganz glücklich, weil die vielen Jeannines hoffen, sie würde doch selber erkennen, dass sie es gerne harmonisch hätten und sie doch auch bitte mal unaufgefordert anpacken könnte. 
Jetzt kommen sich auch noch die vielen Jeannines und Sandras gegenseitig in die Quere. Wer ist die Bessere, Schönere, Intelligentere, Beliebtere? Neid zerfrisst die Freundschaft und das Betriebsklima. Aber auch zu viel Freundschaft im Team ist ungesund.
Jeannine und Sandra wollen stets über Privates reden, sehen in der anderen die Mutter, Freundin, Tochter und leider zu selten «nur» die Arbeitskollegin. Wenn der Chef dann Leistung verlangt, so wirkt das für Jeannines oft hart und unsensibel. 
Harmonie vor Leistung?
Das Problem bei den Querelen liegt oft im falsch verstandenen Harmoniebedürfnis. Im Gegensatz zu Männern neigen Frauen dazu, Leistung der Harmonie unterzuordnen. Sie ringen stattdessen um Anerkennung und vergleichen sich. Ihre indirekte Kommunikation führt zu Missverständnissen. Ihre Kolleginnen verstehen nicht, wenn Jeannine sagt: «Es wäre schön, wenn jemand noch den Steri machen könnte…» Oder: «Jemand sollte noch…»  Schliesslich heisst niemand Jemand. 
Spannungsherde erkennen
Welche Rezepte gibt es, um Spannungsfeldern vorzubeugen? 
Tipp 1: Sich selbst etwas zurücknehmen, der Kollegin etwas gönnen und ihr helfen. «Ich gönne Dir den frühen Feierabend, den hast Du Dir verdient. Komm ich helfe Dir, dass Du rechtzeitig los kannst.» 
Tipp 2: Komplimente und Lob machen stark, den Empfänger wie auch den Absender. «Ich finde das beeindruckend, wie Du das geschafft hast.» 
Tipp 3: Sich auf das Positive bei der Kollegin konzentrieren und anerkennen, dass jede im Team individuell ist und mit der anderen nicht zu vergleichen «Du kannst das besser als ich.» In einem Fussballteam spielen schliesslich auch nicht lauter Stürmer. 
Tipp 4: Statt Anerkennung von anderen zu suchen, sich selbst anerkennen mit allen Stärken und Schwächen. Eine ausgeglichene Persönlichkeit lässt sich von Hyänen nicht in die Enge treiben.
Akzeptanz und Unterstützung
Und so wundern sich Sandra und Jeannine, wie einfach es doch ist, wenn man einander gegenseitig in seiner Unterschiedlichkeit akzeptiert, mit betrieblichen Zielen vor Augen klar und freundlich kommuniziert und sich gegenseitig hilft. Tue Gutes und sprich darüber gilt ganz besonders für Jeannines. 
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