21. Jan. 2026Spezialisierte Senioren­zahn­medizin

Mit Erfahrung und Empathie am UZB Basel

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UZB
Die Arbeit am WheelChair erleichtert die Behandlung.

Immer mehr ältere Menschen behalten ihre eigenen Zähne – gleichzeitig steigt der Bedarf an spezialisierter Betreuung im Alter. Um diese Versorgungslücke zu schliessen, hat das Universitäre Zentrum für Zahnmedizin Basel (UZB) ein eigenes Zentrum für Seniorenzahnmedizin eröffnet. Im Gespräch erläutern Prof. Dr. Andreas Filippi und Dr. Johanna Storniolo, warum eine altersgerechte Infrastruktur, interdisziplinäre Zusammenarbeit und innovative Ansätze entscheidend für die Mundgesundheit im Alter sind und welche Lücke das Zentrum schliesst.

Was war die Motivation, am UZB das Zentrum für Seniorenzahnmedizin zu etablieren?
Prof. Filippi: Das Durchschnittsalter der Bevölkerung steigt kontinuierlich, und es gibt immer mehr alte Menschen mit eigenen Zähnen. Insbesondere, wenn diese in Pflegeheimen betreut werden, findet keine regelmässige zahnmedizinische Diagnostik oder Therapie mehr statt.
Dr. Storniolo: Mit dem neuen Zentrum für Seniorenzahnmedizin wollen wir am UZB diese Lücke schliessen.

Filippi-Porträt
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Prof. Dr. Andreas Filippi

Welche Bedürfnisse haben Patienten ab 65 Jahren?

Welche besonderen Bedürfnisse haben Menschen ab 65 Jahren oder mit geriatrischem Pflegebedarf und/oder Demenz im Hinblick auf zahnärztliche Betreuung?
Dr. Storniolo: In dieser Altersgruppe treten häufig Mundtrockenheit und damit assoziierte Komplikationen, wie Pilzinfektionen sowie Wurzelkaries auf. Polypharmazie beeinflusst die oralen Strukturen negativ. Es besteht zudem ein erhöhter Erklärungsbedarf für ältere Menschen, insbesondere bei Menschen mit degenerativen Erkrankungen des zentralen Nervensystems..
Wie ist die Infrastruktur des Zentrums für Seniorenzahnmedizin gestaltet, um den Bedürfnissen älterer Menschen gerecht zu werden?
Prof. Filippi: Unser Zentrum für Seniorenzahnmedizin ist barrierefrei, hat einen separaten Wartebereich mit altersgerechten Sitzmöglichkeiten. Wir haben besonders weiche Polster auf unseren zahnärztlichen Behandlungseinheiten und spezielle Lagerungskissen, um es den Patientinnen und Patienten so bequem wie möglich zu machen. Es sind verschiedene Transferhilfen vorhanden, um Menschen vom Rollstuhl auf eine zahnärztliche Behandlungseinheit umzusetzen.
Dr. Storniolo: Zudem verfügen wir über einen Wheelchair Recliner, für die Menschen, die nicht mobilisiert werden können. Diese können in ihrem Rollstuhl behandelt werden, was auch für das Behandlungsteam angenehm ist.

Wartezimmer
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Wie läuft die Zusammenarbeit mit Pflegeheimen?

Inwieweit bietet das Zentrum präventive und prophylaktische Leistungen an, und wie arbeiten Sie mit Alterszentren und Pflegeheimen zusammen, um Mundgesundheit vorbeugend zu fördern?
Dr. Storniolo: In unserem Zentrum werden sämtliche prophylaktischen und therapeutischen Möglichkeiten angeboten. Wir besuchen regelmässig die vielen Pflegeheime, mit denen wir zusammenarbeiten, führen dort mit allen Patientinnen und Patienten, die wollen Präventions-, Prophylaxe- und bei Bedarf auch therapeutische Interventionen durch. Zusätzlich schulen wir das Pflegepersonal in Bezug auf die tägliche Mundhygiene und die Prothesenreinigung.
Mit welchen Fachrichtungen arbeiten Sie besonders eng zusammen, und wie profitieren die PatientInnen davon?
Prof. Filippi: Das Zentrum ist ein interdisziplinäres Team, dort arbeiten KollegInnen mit einer Spezialisierung im Bereich der Seniorenzahnmedizin, rekonstruktive Zahnmedizin, Parodontologie und Prophylaxe sowie dem Schwerpunkt Oralchirurgie.

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Oberärztin Dr. Johanna Storniolo

Wie gehen Sie mit Herausforderungen wie eingeschränkter Mobilität, Demenz oder anderen altersbedingten Einschränkungen um, sowohl organisatorisch als auch therapiebezogen?
Dr. Storniolo: Wir verfügen über eine altersgerechte Infrastruktur, sind in der Kommunikation insbesondere mit Patienten mit Demenz geschult und verfügen über passende Hilfsmittel für die eingeschränkte Mobilität.

Innovationen im Seniorenzentrum

Können Sie uns Beispiele nennen, wie das Zentrum Innovationen einsetzt, um die Versorgung älterer Menschen zu verbessern?
Dr. Storniolo: Der zuvor schon genannte Wheelchair Recliner ist ein wichtiges Hilfsmittel für Menschen, die im Rollstuhl sitzen und nicht auf eine zahnärztliche Behandlung transferiert werden können. Ausserdem werden moderne Konzepte zur Behandlung und Linderung zur objektiven und subjektiven Mundtrockenheit eingesetzt.
Prof. Filippi: Seit dem letzten Jahr bilden wir Studierende in der Zahnmedizin in Basel, im Bereich Seniorenzahnmedizin intensiv, theoretisch und praktisch aus. Ganz neu bieten wir online und on-demand für interessierte Kolleginnen und Kollegen Fortbildungen an, um auch in Zahnarztpraxen das erforderliche Wissen für diese Patientengruppe zu verbessern.
Wie messen Sie Ihren Erfolg und die Qualität der Versorgung im Zentrum? Welche Indikatoren verwenden Sie und welche Entwicklungen sehen Sie bereits?
Dr. Storniolo: Die Patientenzufriedenheit wird in der Regel nonverbal geäussert; insbesondere in Pflegeheimen sind die wichtigsten Feedbackgeber die Angehörigen und die Pflegenden, die von uns betreut werden.

Mehr Informationen zum Zentrum für Seniorenzahnmedizin gibt es hier.