17. Aug. 2026

Ihr eigenes HR-System aus der Cloud

Viele Zahnarztpraxen in der Schweiz sind nach aussen hervorragend organisiert. Termine funktionieren, Behandlungen sind auf hohem Niveau, die Patienten sind zufrieden. Intern zeigt sich oft ein anderes Bild.

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Sahraya/stock.adobe.com

Ferien werden in Excel koordiniert, Mitarbeitergespräche finden unregelmässig statt und die Einsatzplanung basiert stark auf Erfahrung. Das funktioniert so lange gut, bis die Praxis wächst und Komplexität entsteht. Spätestens dann fehlt ein zentrales System. Die naheliegende Lösung ist eine klassische HR-Software. Diese sind jedoch oft zu umfangreich, zu wenig auf Zahnarztpraxen zugeschnitten und werden im Alltag nur teilweise genutzt. Genau hier entsteht eine neue Möglichkeit. Mit Claude Code und künstlicher Intelligenz können Praxisinhaber heute eigene Anwendungen entwickeln. Individuell und nah am eigenen Alltag.

Was brauchen Sie wirklich?

Stellen Sie sich vor, Sie entwickeln Ihr eigenes HR Tool. Sie beginnen nicht mit Technik, sondern mit der einfachen Frage: Was brauche ich wirklich? Sie schaffen eine zentrale Übersicht aller Mitarbeitenden mit Funktionen, Pensum und Entwicklungsschritten. Sie strukturieren die Ferienplanung so, dass Engpässe sichtbar werden. Sie bauen eine Einsatzplanung, die zeigt, wer wann verfügbar ist. Mitarbeitergespräche werden in klaren Intervallen geführt und direkt dokumentiert. Auch einfache Feedbackmechanismen finden ihren Platz. Es entsteht kein perfektes Produkt, aber ein System, das zu Ihrer Praxis passt.

Wie setzt man ein individuelles HR-System um?

An dieser Stelle stellt sich eine entscheidende Frage: Muss man programmieren können, um so etwas umzusetzen? Die klare Antwort lautet nein. Die ehrliche Antwort ist differenzierter. Es braucht kein Wissen in Programmiersprachen. Aber es braucht die Fähigkeit, Prozesse klar zu denken und zu beschreiben. Die Rolle des Praxisinhabers verschiebt sich. Er wird zum «Prompter». Das bedeutet, er formuliert, was das System leisten soll. Die Technik übersetzt diese Anforderungen in eine Anwendung. Der eigentliche Engpass liegt nicht in der Technologie, sondern in der Klarheit über eigene Abläufe. Viele erkennen erst in diesem Prozess, dass Verantwortlichkeiten unklar sind oder Erwartungen nie sauber definiert wurden.
Ein Beitrag der ETH Zürich bringt eine wichtige Einordnung (NZZ 29.4.2026 Ausgabe 98): Informatikexperten betonen, dass KI zwar Code erzeugen kann, aber nicht das Verständnis für die reale Anwendung ersetzt. Genau dieses Verständnis entscheidet darüber, ob ein System funktioniert.
Hinzu kommt ein weiterer Aspekt: KI produziert oft umfangreiche und komplexe Lösungen. Fehler sind nicht immer sofort sichtbar und Systeme werden schnell unübersichtlich. Ohne kritisches Denken entsteht nicht mehr Klarheit, sondern mehr Komplexität.
Die Konsequenz ist eindeutig. Nicht Programmieren wird zur Schlüsselkompetenz, sondern Strukturieren und Hinterfragen.
Interessanterweise gehen Experten davon aus, dass der Bedarf an IT-Fachleuten in Zukunft sogar steigen könnte. Nicht weil weniger automatisiert wird, sondern weil mehr Systeme entstehen: Mehr Anwendungen, mehr Schnittstellen und damit mehr Verantwortung.

Die eigene Praxis als System

Für die Zahnarztpraxis bedeutet das keine Aufforderung, selbst Informatiker zu werden. Aber es bedeutet, die eigene Praxis als System zu verstehen. Claude Code und KI ersetzen keine Führung. Aber sie machen sie sichtbar.
Wie sieht das in der Realität aus?
Ein Beispiel aus unserem Umfeld zeigt, wohin diese Entwicklung führen kann. Dr. Felix Gamper, Zahnarztpraxisinhaber und Mitglied des Instituts für angewandte Dentronik und Robotik, entwickelt aktuell ein eigenes HR Tool für seine Praxis. Ein System, das konsequent aus dem Alltag heraus entsteht und sich an realen Prozessen orientiert. Wir begleiten diesen Weg im IAD und laden Sie ein, diesen Prozess mitzuverfolgen. Welche Lösungen sich im Alltag bewähren und wo Herausforderungen entstehen, werden wir in einer der nächsten Ausgaben aufgreifen. Vielleicht ist die entscheidende Frage nicht, ob solche Systeme in Zukunft kommen. Sondern wann Sie selbst damit beginnen.

Ihr Team vom Institut für angewandte Dentronik
Dr. Thomas Müller
Remo Capobianco
Dr. Felix Gamper

www.dentronik.ch