Vom Experiment zur praktischen Anwendung
Künstliche Intelligenz kann die Arbeit in der Zahnarztpraxis an vielen Stellen erleichtern. Doch welche Anwendungen sind wirklich sinnvoll – und wie gelingt es, sie in bestehende Abläufe einzubinden? Wie werden aus spannenden Experimenten echte Verbesserungen? Der neue Zertifikatskurs «Künstliche Intelligenz in der Zahnarztpraxis» verbindet technisches Wissen mit praktischen Aufgaben aus dem Praxisalltag und geht genau diesen Fragen nach.

Ob am Empfang, in der Administration oder bei der Behandlungsplanung: KI eröffnet Zahnarztpraxen neue Möglichkeiten. Erste Werkzeuge sind schnell ausprobiert. Schwieriger wird es, wenn aus einem einzelnen Versuch eine Lösung werden soll, die im Team funktioniert und dauerhaft Zeit spart. Im laufenden Praxisbetrieb fehlt oft die Gelegenheit, sich mit diesen Fragen gründlich auseinanderzusetzen. Eine Dentalassistentin weiss oft am besten, wo bei der Behandlungsvorbereitung unnötige Arbeitsschritte entstehen. Die Praxismanagerin kennt die Herausforderungen der Personalplanung. Die Dentalhygienikerin weiss, wo Kommunikation und Dokumentation besonders viel Zeit beanspruchen. Und die Zahnärztin möchte neue diagnostische Möglichkeiten nutzen, ohne dabei die Kontrolle über klinische Entscheidungen zu verlieren.
All diese Perspektiven sind wichtig. Denn die digitale Transformation einer Zahnarztpraxis ist keine Aufgabe für Einzelkämpfer. Sie ist Teamarbeit.
In den bisherigen KI-Kolumnen der ZZS wurden zahlreiche Anwendungen vorgestellt: etwa wie ChatGPT bei alltäglichen Aufgaben hilft, wie NotebookLM Praxiswissen erschliessen kann oder wie sich mit KI eigene kleine Anwendungen entwickeln lassen. Doch irgendwann stellt sich eine andere Frage: Wie gelangen solche Möglichkeiten vom Experiment in den Praxisalltag?
Hier setzt der CAS an, den das Institut für angewandte Dentronik (IAD) gemeinsam mit dem Institut für Kommunikation und Führung (IKF) anbietet. Es geht nicht darum, möglichst viele neue Tools kennenzulernen, sondern ihren Nutzen für die eigene Praxis beurteilen und passende Anwendungen umsetzen zu können.
Mit eigenen Fragestellungen arbeiten
Die zwei Veranstalter wollen keinen Kurs anbieten, bei dem die Teilnehmenden zehn Tage lang Vorträge hören und anschliessend mit vielen Ideen, aber ohne konkrete Veränderungen in die Praxis zurückkehren. Deshalb steht beim CAS die eigene Praxis im Mittelpunkt.
Die Teilnehmenden lernen, KI-Werkzeuge gezielt einzusetzen und verständliche Anweisungen, sogenannte Prompts, zu formulieren. Darauf aufbauend beschäftigen sie sich mit digitalen Assistenten und verknüpften Arbeitsabläufen. Wie könnte etwa der Empfang bei Routineanfragen entlastet werden? Wie lassen sich Arbeitsanweisungen so aufbereiten, dass sie für alle Mitarbeitenden rasch auffindbar sind?
Auch klinische Anwendungen sind Bestandteil des Lehrgangs. Bildgebung, Diagnostik und Behandlungsplanung sowie digitale Workflows und Entwicklungen in der Robotik gehören zum Programm.
Ein Schwerpunkt liegt auf der Umsetzung des Gelernten im Praxisalltag. Die Teilnehmenden bringen eigene Fragestellungen mit, entwickeln in Workshops einfache KI-Anwendungen und Prototypen – auch ohne Programmierkenntnisse – und erproben ihre Ansätze zwischen den Kurstagen in der Praxis. Der Austausch in kleinen Transfer-Teams hilft dabei, Erfahrungen zu vergleichen und Lösungen weiterzuentwickeln. Statt einer klassischen Abschlussarbeit stehen praktische Umsetzungsschritte im Vordergrund.
Dabei bleiben auch die Grenzen der Technik im Blick. Datenschutz, Cybersicherheit und Patientensicherheit sind ebenso Thema wie rechtliche Fragen und die Einbindung des Praxisteams. Schliesslich ist nicht alles, was technisch machbar ist, im Praxisalltag auch sinnvoll.
Interdisziplinäres Fachwissen
Die Studienleitung liegt bei Dr. Thomas Müller (IAD) und Prof. Dr. Andrea Belliger (IKF). Ein interdisziplinäres Dozierendenteam ergänzt die Studienleitung. Zahnärztliche Experten wie Prof. Patrick Schmidlin, Dr. Alessandro Devigus und Dr. Marc Balmer bringen die klinische Perspektive ein. Weitere Dozierende vermitteln Kompetenzen in KI-Anwendungen, Datenschutz, Cybersicherheit und Veränderungsmanagement.
Der CAS richtet sich ausdrücklich nicht nur an technikbegeisterte Zahnärztinnen und Zahnärzte. Auch Praxismanagerinnen, Mitarbeitende aus Zahnarztpraxen und Dentalzentren sowie Fachpersonen aus dem dentalen Umfeld sind angesprochen. Entscheidend sind das Interesse an neuen Möglichkeiten und die Bereitschaft, Bestehendes zu hinterfragen. Die formellen Zulassungsvoraussetzungen werden individuell geprüft.
Berufsbegleitend zum CAS-Abschluss
Der Lehrgang beginnt am 16. Januar 2027 und umfasst zehn Kurstage bis Juli 2027. Der Unterricht findet online sowie in Luzern und Bern statt. Die Weiterbildung schliesst mit einem Certificate of Advanced Studies (20 ECTS) ab.
Gemäss Angaben der Veranstalter können 80 Unterrichtsstunden im Rahmen der SSO-Fortbildung beziehungsweise unter den entsprechenden Voraussetzungen für den WBA Allgemeine Zahnmedizin angerechnet werden. Die Kursgebühr beträgt CHF 8500.
Weitere Informationen zum Kursprogramm und zur Anmeldung unter www.dentronik.ch/kurse
Hier geht es zum kompletten Programm
Ihr Team vom Institut für angewandte Dentronik
Dr. Thomas Müller
Remo Capobianco
Dr. Felix Gamper