Offboarding: Weshalb auch der letzte Eindruck zählt
In vielen Zahnarztpraxen ist das Onboarding inzwischen ein fester Bestandteil der Personalstrategie. Neue Mitarbeitende werden sorgfältig eingearbeitet, erhalten klare Informationen, ein strukturiertes Einführungsgespräch und oft sogar ein Willkommensgeschenk. Wie sieht es mit dem Offboarding aus?

Mit dem Onboarding verfolgt man das Ziel, dass sich neue Teammitglieder willkommen und geschätzt fühlen. Zurecht, denn der erste Eindruck zählt. So erzählt mir eine Praxisinhaberin, dass sie für jede neue Dentalassistentin ein kleines Startpaket mit Namensschild, personalisiertem Kugelschreiber und Arbeitsmappe vorbereitet. Eine andere organisiert am ersten Arbeitstag ein gemeinsames Frühstück mit dem Team, um Barrieren abzubauen. Diese kleinen Gesten wirken nachhaltig und sie geben dem Neuanfang einen positiven Rahmen.
Doch was passiert eigentlich am Ende eines Arbeitsverhältnisses? Genau hier zeigt sich oft ein blinder Fleck: das Offboarding. Der letzte Eindruck wird unterschätzt. Dabei wirkt er mindestens so lange nach wie der erste. Wer den Austritt eines Teammitglieds lediglich als «abgehakt» betrachtet, übersieht eine wichtige Führungsaufgabe.
Die Chance beim Abschied nutzen
Denn auch im Abschied liegt eine Chance: Zum Verstehen, zum Dazulernen, zum Wachsen. Gerade dann, wenn es intern Spannungen oder unausgesprochene Erwartungen gab, ist der Moment des Austritts ein wertvoller Raum für Reflexion. Wird dieser Raum nicht aktiv gestaltet, entstehen oft Gerüchte, Frust oder negative Mundpropaganda. Besonders in der dentalen Welt, wo sich viele kennen, kann das zum Reputationsrisiko werden.
Ein Fall aus dem Praxisalltag: Adriana, eine junge, höfliche Mitarbeiterin, die zunächst unauffällig ihren Dienst tat, wurde zunehmend zur Belastung. Trotz Entwicklungsgesprächen und Unterstützungsangeboten zeigte sich wenig Veränderung. Nach einem kritischen Feedbackgespräch reichte sie die Kündigung ein. Ein Segen, wie die Praxisinhaberin Johanna es ausdrückte. «Sie bekommt mehr Lohn», lautete die kurze Begründung. Damit war die Sache für sie erledigt.
Austrittsgespräch führen
Oder etwa nicht? Als ich in meiner Rolle als Coach nachfragte, wie sie das Offboarding organisiert habe, antwortete sie: «Alles erledigt. Zeugnis geschrieben, Geschenk besorgt. Wir sind durch.» Kein weiteres Gespräch, keine Reflexion, kein Nachklang.
Dabei hatte Johanna die Chance verpasst, etwas Wertvolles zu lernen. Denn der wahre Kündigungsgrund war nicht der Lohn, sondern das Gefühl, den hohen Anforderungen ihrer Praxis nicht gerecht zu werden. Erst ein persönliches Abschiedsgespräch, das sie nachträglich doch noch mit Adriana führte, brachte diesen Punkt ans Licht. Für beide Seiten war es ein klärender, fast versöhnlicher Moment und Adriana empfiehlt die Praxis bis heute weiter.
Verabschiedung planen
Nachfolgend zwei Impulse für ein gelungenes Offboarding in Ihrer Praxis: Erstens, Austrittsgespräch führen, persönlich und strukturiert. Nicht nur, um das «Warum» zu erfahren, sondern um Wertschätzung zu zeigen. Fragen Sie: «Was hätten wir besser machen können?» Und hören Sie zu. Und zweitens, Verabschiedung im Team planen. Ob ein Apéro, ein kleines Geschenk oder einfach ein paar ehrliche Worte, es geht nicht um den Aufwand, sondern um die Haltung. Ein gutes Offboarding schützt nicht nur Ihre Reputation, es stärkt auch die Kultur in Ihrer Praxis. Denn Mitarbeitende kommen und gehen. Aber wie sie gehen, das bleibt oft im Gedächtnis. Es ist eine Gelegenheit, Haltung zu zeigen, gerade dann, wenn es intern nicht immer einfach war. Wer diesen letzten Schritt bewusst gestaltet, sendet nicht nur ein Signal an die austretende Person, sondern auch an das verbleibende Team: Hier wird Verantwortung ganzheitlich gelebt. Ein respektvoller Abschluss stärkt das Vertrauen in die Führung und schafft Sicherheit: Wer hier arbeitet, wird nicht nur gefordert, sondern auch gesehen. Und wer geht, bleibt im besten Fall ein wertschätzender Botschafter Ihrer Praxis.
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