19. Feb. 2026Right Path

Gute Führung verhindert Frust und Aufmerksamkeit motiviert

Praxismanagerinnen tragen Verantwortung, koordinieren Teams und halten den Betrieb am Laufen – und fühlen sich dabei nicht selten allein gelassen. Warum regelmässige Gespräche, ehrliches Feedback und wenige Minuten echter Wertschätzung Frust verhindern und Motivation stärken können, zeigt dieser Beitrag.

Brezovar Right Path
ZZS

Wie oft habe ich es mit Praxismanagerinnen zu tun, die sich beklagen: «Ich werde nicht geführt».
Und mit ZahnärztInnen, die sagen: «Ich kann doch nicht auch noch meine Praxismanagerin führen, die muss das doch alleine können, dafür habe ich keine Zeit, deshalb habe ich sie ja angestellt». Beide Seiten sind verständlich.
Die Praxismanagerin führt ihre TeamkollegInnen. Das ist eine anspruchsvolle Aufgabe. Zudem soll sie ihre Vorgesetzten unterstützen und sich um die Koordination von PatientInnen kümmern. Sie ist die Drehscheibe im Betrieb. Nicht selten sind es hochqualifizierte Arbeitskräfte, die an sich selbst und an ihr Umfeld hohe Ansprüche stellen. Und nicht selten führt das zu Überforderung und Unsicherheiten. Sie leisten viel. Niemand kümmert sich um sie, weil Lob als nicht nötig gilt, schliesslich ist das ihre Aufgabe, die sie zu erfüllen haben. So bekomme ich es ebenfalls nicht selten zu hören.

Der entscheidende Unterschied

Wenn Sie sich in die fleissige Praxisassistentin Dolores versetzen, bei der vier Hände nicht reichen würden und die es trotzdem irgendwie schafft, die Praxis zu managen, wie würden Sie sich fühlen, wenn Sie tagein tagaus von Ihrer Vorgesetzten kaum etwas sehen noch hören.
Für Mitarbeitergespräche ist keine Zeit, und sie sind angeblich auch nicht nötig, weil Dolores ja so einen tollen Job macht. Dolores fühlt sich nicht gesehen, nicht unterstützt, nicht wertgeschätzt. Sie fühlt sich wie ein Möbelstück, das zuverlässig funktioniert, keine Aufmerksamkeit braucht und stets für alle da ist. Sie jammert nicht, und doch wird sie zunehmend unzufriedener.
Wie wenig wäre nötig und welch grossen Unterschied würde es machen, wenn sich ihre Vorgesetzte zwischendurch Zeit nehmen würde? Nicht viel Zeit, denn die hat sie nicht. Nur ein bisschen Zeit.

Was kann helfen?

Zeit für zwei Sachen: Erstens, für ein informelles Gespräch, um Dolores zu fragen «Wie geht’s dir?», um zu sagen «Ich bin dir sehr dankbar, dass du uns so gut entlastest und ich sehe, wie anstrengend es gerade ist». Dolores würde es schon sehr viel besser gehen.
Und zweitens, für ein formelles Gespräch, genannt Mitarbeiter-Entwicklungsgespräch, früher Quali-Gespräch und Leistungsbeurteilung genannt. Ich stelle immer wieder fest, dass diese noch nicht überall etabliert sind. So fragt sich Dolores während der Vorbereitung ihrer Mitarbeitergespräche, wann und ob überhaupt mit ihr auch so ein Gespräch geführt wird. Sie würde es sich wünschen.

Formelle Mitarbeitergespräche sind wichtig. Sie klären, sie motivieren, sie entwickeln, sie stabilisieren, sie bereinigen. Sie führen dazu, dass sich Spannungen abbauen, bevor sie sich aufbauen, sie schaffen Raum für Dialog über Befindlichkeiten und Bedürfnisse, sie führen zu gegenseitigem Verständnis und erhöhen dadurch die Produktivität.

Feedback zählt

Wie oft und in welcher Form diese Gespräche stattfinden, ist sekundär. Hauptsache, dass! Dolores würde sich freuen zu hören, was sie gut gemacht hat und wo sie noch Optimierungspotenzial besitzt. Sie wünscht sich zu erfahren, welche Ziele die Praxis hat und was sie mit ihrem Team dazu beitragen kann. Sie wünscht sich, geführt zu werden.
So liegt es aber auch an Dolores, solche Gespräche einzufordern. Mit einer besseren Selbstführung könnte sie dafür sorgen, dass ihre Bedürfnisse gehört und befriedigt werden, anstatt nichts zu sagen und still und frustriert durch den Tag zu arbeiten. Auch sie kann die Segel setzen, um ihre Chefin zu führen.
Geführt werden wollen ist ein menschliches Bedürfnis, ein Bedürfnis nach Anerkennung, Orientierung und Sicherheit, selbst bei jenen, die scheinbar alles im Griff haben. Ein guter Anfang: Planen Sie jeden Monat zehn Minuten ein, um gezielt einem Mitarbeitenden zuzuhören, nicht als Pflichttermin, sondern als echte Aufmerksamkeit. Auch das ist Führung.

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