17. Apr. 2026Ratgeber

Emotionsregulation als Führungskompetenz

Es gibt Tage, an denen einfach alles zusammenkommt: Ein volles Wartezimmer, ein Notfall, ein Gerät fällt aus, und im Team liegt die Stimmung ohnehin schon auf der Kippe. Genau in solchen Momenten zeigt sich, wie wichtig die Fähigkeit zur Emotionsregulation ist.

Brezovar Right Path
ZZS

Führung in der Zahnarztpraxis bedeutet nicht nur, Abläufe zu organisieren und Behandlungen zu planen. Führung bedeutet vor allem, in stressreichen Situationen Orientierung zu geben. Wer Ruhe bewahrt, schafft für andere einen sicheren Rahmen.

Ein Beispiel aus der Praxis: Eine junge Zahnärztin übernimmt zum ersten Mal die Leitung einer Behandlung und fühlt sich etwas unsicher. Die Dentalassistentin merkt ihre Nervosität, wird auch nervös und verwechselt dummerweise das Besteck. Als die Zahnärztin ungeduldig wird, steigt die Anspannung noch mehr. Erst als sie bewusst innehält, tief durchatmet und die Anweisungen klarer, aber ruhiger formuliert, ändert sich die Atmosphäre: Alles wird entspannter, es passieren weniger Fehler und die Patientin fühlt sich gut aufgehoben.

Ein anderes Beispiel: Der Praxisinhaber steht unter Zeitdruck. Ein Behandlungsstuhl blockiert, gleichzeitig wartet ein wichtiges Gespräch mit einem Lieferanten. Statt die Hektik direkt ans Team weiterzugeben, entscheidet er sich für einen kurzen Moment der Selbstregulation: Körper lockern, Atem spüren, Prioritäten neu ordnen. Seine ruhige Ausstrahlung wirkt stabilisierend. Das Problem bleibt dasselbe; doch die Art, wie er wirkt und kommuniziert, macht den Unterschied.

Gefühle bewusst steuern

Warum ist Emotionsregulation so zentral? Weil sie verhindert, dass spontane Reaktionen den Ton angeben. Ärger, Ungeduld oder Gereiztheit sind menschlich. Es geht nicht darum, Gefühle zu unterdrücken. Aber sie dürfen nicht bestimmen, wie wir führen. Es geht darum, Gefühle zu erkennen, zu akzeptieren und bewusst zu steuern.

In der Praxis heisst das: Ich übe Selbstkontrolle, indem ich nicht sofort reagiere, sondern innerlich einen Schritt zurücktrete, Distanz zur Situation schaffe. Ich entspanne meinen Körper, atme ruhig, spreche langsam und signalisiere Ruhe. Durch klare Worte, die respektvoll bleiben, schaffe ich Sicherheit für alle Beteiligten.

Eine kleine Übung für den Alltag: Nehmen Sie sich in stressigen Momenten drei Sekunden Zeit, bevor Sie antworten. Einatmen, ausatmen, dann sprechen. Diese Mini-Pause ist unscheinbar, doch sie verhindert, dass Sie impulsiv reagieren. Und bitte: Vermeiden Sie Rechtfertigungen. Das sind typische, unproduktive Abwehrreaktionen. Mit Rechtfertigungen zeigen Sie Unsicherheit und Schwäche, Sie begeben sich in den Verteidigungsmodus und wirken nicht mehr souverän. Eine mögliche professionelle Antwort wäre: «Danke für den Hinweis. Ich sehe das anders, weil…»

Regulierung mit der STOP-Regel

Ein praktisches Modell zur Emotionsregulation ist die STOP-Regel, ein hilfreiches Werkzeug, um Emotionen im Praxisalltag zu regulieren. S für Stopp: Kurz innehalten, nicht reagieren. T für Take a breath: Einmal bewusst atmen. O für Observe: Beobachten und wahrnehmen, was in mir passiert. P für Proceed: Dann handeln, mit Klarheit und Bedacht.

Dieses einfache Schema ist im hektischen Alltag leicht abrufbar. Es schafft Raum zwischen Reiz und Reaktion, genau dort liegt die eigentliche Führungsstärke. Oder anders ausgedrückt: Der Raum zwischen Reiz und Reaktion liegt zwischen Ihren beiden Ohren und heisst Gehirn. Mit ihm kann ich meine Reaktion bewusst steuern. Deshalb heisst es nicht: Du ärgerst mich, sondern Ich ärgere mich. Es liegt ganz an mir, ob ich mich ärgern oder vielleicht lieber nur wundern will.

Fazit

Emotionen gehören zum Praxisalltag. Entscheidend ist, wie wir damit umgehen. Emotionsregulation ist keine «weiche» Begleiterscheinung, sondern harte Führungsarbeit. Sie entscheidet darüber, ob ein Team in Stressmomenten auseinanderdriftet oder zusammenhält. Wer seine Emotionen steuern kann, führt nicht nur souveräner, er schafft auch die Grundlage für Vertrauen und Professionalität im Praxisalltag.

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