22. Juni 2026Ratgeber

Führen heisst, Raum nehmen und geben

In einer Zahnarztpraxis ist der Terminkalender oft bis auf die letzte Minute durchgetaktet. Zwischen PatientInnen, technischen Fragen und administrativen Aufgaben bleibt der Praxisleitung wenig Zeit. Führung passiert dann nebenbei zwischen Tür und Angel, im schnellen Gespräch auf dem Flur. So entsteht leicht das Gefühl: Für Führung bleibt kein Raum.

Brezovar Right Path
ZZS

Welchen Raum nehmen Sie sich für Führung? Führung bedeutet nicht nur Entscheidungen treffen, sondern auch zuhören, Orientierung geben und Prioritäten setzen. Wer dafür keinen Raum schafft, läuft Gefahr, im Alltagstrubel unterzugehen. In Praxen, in denen sich die Leitung regelmässig Zeit für persönliche Gespräche nimmt, sei dies mit wöchentlichen Terminen oder geplanten Teambesprechungen, steigt die Zufriedenheit. Mitarbeitende spüren: Meine Anliegen haben Platz.
Welchen Raum geben Sie Ihren Mitarbeitenden? Raum bedeutet nicht nur Zeit, sondern auch Vertrauen. Wenn Mitarbeitende eigenständig Verantwortung übernehmen dürfen, entsteht Motivation und Engagement. Wer hingegen ständig kontrolliert oder jede Entscheidung an sich zieht, nimmt dem Team die Luft zum Atmen. Gerade im Dentalalltag, vom Umgang mit PatientInnen bis zur Organisation des Steriraums, ist Raum für Eigenverantwortung ein wichtiger Motor.

Eigenverantwortliches Team

Brenda ist Praxismanagerin. Sie wollte die Lernenden im Betrieb zu eigenverantwortlichen Mitarbeitenden entwickeln. Sie gab Raum für Mitverantwortung. Die sah so aus, dass sie ihre drei Lernenden bat, die Praxis jeden Morgen gut durchzulüften. Mit dem Resultat, dass es öfter vergessen als gemacht wurde und sie des Öfteren selbst lüften musste. Ihre Ermahnungen halfen nicht viel und führten zu Frust. Hier hatten die Lernenden wohl zu viel Raum, um auszuweichen und ganz nach dem Mikado-Prinzip zu handeln: Wer sich zuerst bewegt, hat verloren. Indem sich mehrere Personen die Aufgabe teilen sollten, wollte sie niemand wirklich wahrnehmen. Die Situation änderte sich, als Brenda entschied, die Verantwortung nur der ältesten Lehrtochter zu übertragen. «Du bist jetzt die Chefin für das Raumlüften». Diese Verantwortung hat die Lehrtochter gerne übernommen und das Lüften klappte fortan. So nahm einerseits Brenda und andererseits auch die Lehrtochter ihren Führungsraum wahr.
Als Führungskraft brauche ich nicht nur äussere Räume, sondern auch inneren Raum. Wie fühle ich mich, wenn ich eine schwierige Entscheidung durchsetzen muss? Bin ich innerlich angespannt und fühle mich klein? Diese Unsicherheit ist nach aussen spürbar. Auch hier kann ich mir meinen inneren Raum bewusst nehmen, mich innerlich aufrichten. Wenn ich aus diesem inneren, klaren, grossen Raum kommuniziere, wirke ich glaubwürdig und souverän.
Der Schlüssel liegt darin, Räume bewusst zu gewichten und zu gestalten. Führungskräfte sollten sich fragen: Welche Gespräche dulden keinen Aufschub? Welche Aufgaben kann ich delegieren, damit ich den nötigen Raum für strategische Fragen behalte? Priorität hat, was das Team stärkt und die Praxis langfristig weiterbringt.

Wo liegen Stolpersteine?

Gefahr entsteht dort, wo Räume verschwimmen: Wenn die Leitung in fachliche Detailarbeit abtaucht, fehlt Raum für strategische Führung. Wenn Mitarbeitende zu viel Raum ohne Orientierung erhalten, drohen Unsicherheit und Konflikte. Umgekehrt kann zu wenig Raum auch zu Frustration führen. Eine klare Balance ist entscheidend.
Fazit: Führung braucht Raum für Gespräche, Entscheidungen und Vertrauen. Wer sich diesen Raum bewusst nimmt und zugleich den Mitarbeitenden einen klar definierten Raum gibt, schafft ein Klima, in dem sich alle entfalten können. In einer Praxis bedeutet das: klare Prioritäten, offene Kommunikation und die Bereitschaft, Räume immer wieder neu auszubalancieren. So wird Führung spürbar, für das Team und die PatientInnen gleichermassen.

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