Souverän führen: Raus aus der Rechtfertigungsfalle!
Warum fällt es vielen Führungskräften so schwer, einfach zu einer Entscheidung zu stehen? Der Beitrag zeigt, wie Sie die Rechtfertigungsfalle erkennen und mit mehr Souveränität führen.

Praxismanagerin Selina informiert ihre Kollegin Erna sachlich darüber, dass das Wartezimmer noch aufgeräumt werden müsse. Erna reagiert sofort mit Rechtfertigungen: Sie habe noch keine Zeit gehabt, müsse den Steri noch ausräumen und überhaupt wisse sie das doch selbst. Selina fühlt sich von dieser Reaktion überrumpelt. Sie wollte lediglich einen Hinweis geben, damit die Aufgabe nicht vergessen geht, doch Erna hat die Information fälschlicherweise als persönlichen Vorwurf aufgefasst.
Rechtfertigung als No-Go
Ein klassisches Beispiel für eine Rechtfertigungsfalle. Im Alltagstrubel tappen wir leicht in ein psychologisches Verhaltensmuster: Wir fangen an, uns zu rechtfertigen. Was wir für höfliches Erklären halten, wirkt nach aussen oft wie Unsicherheit. Wer sich rechtfertigt, macht sich klein und verliert an Souveränität. Rechtfertigungen sind ein No-Go für professionelles Verhalten. Wie schnell man in die Rechtfertigungsfalle rutscht, zeigen typische Situationen aus dem Praxisalltag.
Die Zeit-Falle
Eine Zahnärztin kommt mit Verspätung zu ihrem Patienten mit einem Schwall an Erklärungen: «Es tut mir leid, aber ich wurde gerade von einem anderen Patienten aufgehalten und dann war da noch das dringende Telefonat mit einem Notfalltermin, der mich beanspruchte.» Der Patient spürt den Stress und es entsteht der Eindruck, dass die Zahnärztin nicht in Ruhe arbeiten kann, was dem Patienten das Gefühl von Unsicherheit vermittelt. Souveräner wirkt es, die Verzögerung kurz anzuerkennen, ohne sich in Erklärungen zu verlieren: «Vielen Dank für Ihre Geduld. Eine medizinische Dringlichkeit erforderte meine volle Aufmerksamkeit. Jetzt bin ich für Sie da.» So wirkt die Zahnärztin glaubwürdig und führungsstark.
Die Angriffs-Falle
Selina wird von Ihrem Chef kritisiert, sie habe ihre Führungsaufgabe als Praxismanagerin bei einem Teamkonflikt ungenügend wahrgenommen. Selina rechtfertigt sich sofort: «Ich musste hier Einfluss nehmen, so eine Situation lasse ich mir nicht gefallen, schliesslich bin nicht ich das Problem, sondern die zwei Kolleginnen. Ich musste Klartext mit ihnen reden und kann schliesslich nichts dafür, wenn sie die Wahrheit nicht ertragen.» Da sich Selina verteidigt schwächt sie ihre Position. Wer sich rechtfertigt, verliert die nötige Distanz. Anstatt gegen das Team zu argumentieren, zeigt sich wahre Führung darin, die Situation zu beruhigen, ohne die eigene Autorität aufzugeben.
Eine professionelle Reaktion könnte sein: «Ich danke dir für dein Feedback. Lass uns besprechen, wie wir in Zukunft besser mit einer solchen Situation umgehen können.» Wer aus dieser inneren Ruhe heraus kommuniziert, wirkt souverän.
Die Phantom-Falle
Besonders tückisch ist die Rechtfertigung, wenn gar kein Angriff erfolgt ist, wie bei Selina und Erna. Wenn Selina ihre Kollegin darauf hinweist, dass der Warteraum noch aufgeräumt werden muss, so ist das eine sachliche Information, die Erna als Angriff versteht, obwohl es keiner ist. Erna reagiert im obigen Beispiel defensiv und destruktiv. Ein kurzes «Danke für den Hinweis, mache ich gleich» wirkt viel selbstbewusster.
Wahre Souveränität zeigt sich im Verzicht auf unnötige Erklärungen. Wer aufhört, sich zu rechtfertigen, wirkt nicht nur nach aussen glaubwürdiger, sondern schafft auch innerlich die nötige Klarheit für gute Führung. Streichen Sie das rechtfertigende «Ja, aber» konsequent aus Ihrem Wortschatz und ersetzen Sie es durch ein souveränes «Ja, und».
Treten Sie souverän auf
Verwandeln Sie Verteidigung in Gestaltung und bewahren Sie sich Ihren Führungsraum. In einem professionellen Führungskontext gibt es keinen guten Grund für Rechtfertigungen. Statt im vergangenheitsorientierten Problemraum der Rechtfertigungen zu rudern, bewegen Sie sich lieber souverän in einen zukunftsorientierten Lösungsraum. Wer führt, gestaltet die Zukunft, statt sie mit der Vergangenheit zu entschuldigen.
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Barbara Brezovar Capobianco
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